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Picky Jahresausblick 2022: Diese Newcomer solltet ihr im Blick haben

Beitragsbild (v.l.n.r.): Barking Orders in German, Lyschko, ENGIN und Paula Carolina

Den ersten Monat des neuen Jahres haben wir geschafft. Damit ihr die kommenden gut übersteht, stellt euch die Pickymagazine-Redaktion 10 Newcomer-Acts (Reihenfolge unbedeutend) vor, die ihr im Laufe des Jahres auf keinen Fall aus den Augen verlieren solltet! Vom Surfen auf der Neuen neuen Deutschenwelle über traumhaft-atmosphärischen Sounds bis hin zu raffiniertem Indie-Pop ist alles dabei, was das Herz begehrt.

Steintor Herrenchor

Dass wir gerade eine kleines Post-Punk Revival erleben, ist nun wirklich nichts Neues. All diese melancholischen Synthesizer und Stimmen voller Hall haben etwas an sich, was einen in ihre Dunkelheit lockt und nicht wieder herausfinden lässt. Man muss sich nur anschauen, wie schnell Künstler*innen wie Edwin Rosen plötzlich durch die Decke gegangen sind und die deutsche Musikszene prägen. Dieser hat auch die hier vorgestellte Band in eine seiner Playlisten erwähnt: Steintor Herrenchor heißt das Trio aus Hannover und nimmt die dunkle Welle mit Eleganz. Im letzten Jahr erschienen die ersten drei Songs und gerade die letzte Single “wohin” ist genau das, was man sich für eine nächtliche Fahrt durch die verregnete Großstadt wünscht. Gitarrensounds wie aus den 80ern treffen auf einen schmerzerfüllten Text, der nur so ins Mikrofon geschrien wird. Wenn ihr noch keinen Soundtrack für euren Winterblues auftreiben konntet, dann habt ihr ihn jetzt.

Lyschko

Ein Jammer, wem die Band Lyschko kein Begriff ist. Denn wer das Trio bis dato nicht kannte, hat buchstäblich etwas verpasst. Wie dem auch sei, wir helfen gerne aus. Gegründet 2011 als Solinger Schülerband, hören Lyschko damals noch auf den Namen Cuckoo, ehe sie 2019 ihre Debüt-EP “Stunde Null” veröffentlichen. Auf dieser treffen Fragen nach der eigenen Identität, Verzweiflung an eben jenen Selbstfindungsprozess sowie Romantik in einem post-punkigen Gewand. Alles in allem vertonen Lyschko also die großen Fragen, die sie und ihre junge Generation beschäftigen. Musikalisch sowie textlich gibt es also schon genug Gründe, Lyschko im Auge zu behalten. Dazu kommt, dass die Bandmitglieder selbst sehr eng in der Szene verwoben sind. Gitarrist Lukas Korn etwa als Live-Mitglied für Drangsal (hier am Bass) und Mia Morgan. Frontsängerin Lina hingegen engagiert sich als erste Vorsitzende gemeinsam mit ihrem Bruder Jonah (Bass) im Waldmeister e.V. für die kulturelle Szene ihrer Heimatstadt Solingen. Jüngst durfte die Band Schlagzeugerin Badison für ihre Live-Besetzung verhaften. Da steht einem hoffentlich bald erscheinenden Debütalbum doch nichts mehr im Weg, oder?

Barking Orders in German

Was macht man, damit einem im Corona-Lockdown auch ja nicht langweilig wird? Richtig: Man gründet eine Band. Besser gesagt eine Rockband. So oder so ähnlich lässt sich die Gründungsgeschichte der Band Barking Orders in German aus München nachskizzieren. Mit ihren fuzzy Gitarren und verrucht-bunten Look hat die Münchner Band nach bereits zwei Singles nicht nur eine bandeigene Ästhetik auf die Beine gestellt, sie lassen ebenso das nostalgische Garage Rock-Herz der 70er Jahre zum Beat hüpfen. Ihren Sound stellen sie einem größeren Publikum auf dem Reeperbahn Festival 2022 noch genauer vor, für das die Band gebucht ist.

klebe

klebe hat für ihren Künstlernamen sicherlich einen Preis der Kreativität und des geistigen Reichtums verdient. Einmal in ihren aktuellen Song „Irgendland“ reingehört, bleibt man sprichwörtlich an dem verträumten Sound der Hamburgerin kleben. Ihre Texte sind durchdacht und gleichzeitig unglaublich nahbar. Nur zu gern verliert man sich in der Musik und lauscht ihren sanften Klängen. 2020 ist klebe in ihre Karriere als Musikerin mit der Single „Spazieren gehen“ gestartet, zwei weitere Songs, eine Auszeichnung durch den Musikpreis Krach und Getöse und ein Auftritt beim Reeperbahn-Festival haben nicht lange auf sich warten lassen. Bleibt nur zu sehen, womit uns die Künstlerin in diesem Jahr hoffnungslos an ihr kleben bleiben lässt.

nothhingspecial

Wer die Tour von Pablo Brooks letzten Dezember besucht hat, kennt diese Künstlerin vielleicht und ist ihr schon verfallen. Der Rest geht jetzt bitte auf Spotify und schließt die kleine Bildungslücke. nothhingspecial, die eigentlich Chrissie heißt, kommt aus Bonn und macht atmosphärischen Indie, der hängen bleibt – Gerade wegen ihrer Stimme. Die sanfte Tiefe, die in ihrem Gesang steckt, wirkt wie Balsam für die Ohren und erinnert an Größen wie Nilüfer Yanya. Untermalt von hallenden Gitarren und Schlagzeug, das einen unterbewusst Mitnicken lässt, entwickeln die Songs der 20-Jährigen eine ungeahnte Kraft. Alles entstanden im Alleingang. Bis jetzt gibt es ein paar Singles und die erste EP zu finden, aber das scheint nur der Anfang zu sein. Wir entschuldigen uns also jetzt schon für dieses Wortspiel, aber nothhingspecial hat sich eindeutig den falschen Namen ausgesucht, denn das hier wird etwas ganz Besonderes.

ENGIN

Indie-Rock but make it deutsch-türkisch? Ja, und das funktioniert erstaunlich gut! Der 28-jährige Leadsänger Engin ist mit seiner Band ganz klar ein aufgehender Stern am Indiehimmel. Seine erste Single “Merhaba Montag” kombiniert deutsche Texte mit ausgefallenen anatolischen Rhythmen, die es so im Indie noch nicht gab. Vor kurzem ist außerdem der Song “Halb” nachgerückt, eine Abhandlung des sich-unzugehörig-Fühlens, vor allem als Kind deutsch-türkischer Einwanderer. Fans des Sounds von Faber und AnnenMayKantereit finden an ENGINs Musik ganz sicher Gefallen, aber auch jede*r andere sollte unbedingt mal reinhören – Da kommt dieses Jahr bestimmt noch was!

Night Orchestra

Night Orchestra werden, wenn es nach picky Alyssia ginge, auf jeden Fall zu den Indie-Newcomern des Jahres dazugehören. Mit ihrer Debüt-EP “Locked Up in My Head” machen sie ihre lokalen Fanbase heiß auf die Zeit, wenn Konzerte wieder möglich sein werden. In Paderborn gegründet, werden sie sich sicher auf die großen Bühnen des Landes spielen. Mit Flanellhemden, flächigen Synthies und  schnurrenden Gitarrensounds sind Night Orchestra die Band, die das Genre „Indie“ perfekt verkörpert. Wir sind gespannt, was sie 2022 auf die Beine stellen.

(Hier hat picky Alyssia bereits über Night Orchestra berichtet.)

Saiya Tiaw

Er hat erst rund 500 Follower*innen auf Instagram, im Jahr 2021 aber schon zwei Alben veröffentlicht – fleißig, der Boy! Im Internet gibt sich Saiya Tiaw mindestens genauso mystisch, wie es seine Songs und sein Sound vermuten lassen. Hier eine Prise New Wave, da ein Klavier und sanfte E-Gitarre aber überall: melancholische Stimmung, Im besten Sinne! Bekommt man bei “wieso tust du mir weh” noch Edwin Rosen-Vibes, ist einem beim Hören von “rave” so gar nicht zum Tanzen, sondern eher nach Weinen zumute. Popkulturelle Referenzen auf “pink floyd cd” runden das textliche Komplettpaket, das sein aktuelles Album “tränen von dir” liefert, ab.

Laikka

Für alle die, die Musik nicht nur als aneinander gereihte Töne aufgreifen, sondern vielmehr etwas Vollkommenes in ihr suchen, für die ist Laikka sicher ein heißer Tipp in diesem Jahr. Das Duo versteht sich darin ein Gesamtkunstwerk um ihre Musik zu bauen und man erkennt mit bloßem Auge die Liebe, die sie in ihre Konzepte stecken. Im letzten Jahr haben Laikka ihr Debüt-Album „Morning-Glow“ veröffentlicht und damit gleichzeitig einen Aufbruch ausgerufen.  Mit ihrer ganz eigenen Ästhetik in Klang und Visuals schaffen die Jungs eine Atmosphäre, die neu und aufregend ist. Ihre Inspiration ziehen die Künstler aus der digitalen Welt, in ihren Texten scheuen sie sich nicht aktuelle Themen aufzugreifen und ihr Auftreten ist durchzogen von dem Brechen veralteter Stereotypen. Vielleicht genau das, was wir für 2022 gebrauchen können.

Paula Carolina

Endlich wieder richtig geiler Indie-Pop! Nicht nur textlich, sondern auch musikalisch allererste Sahne! Bisher gibt es leider erst zwei Songs von der Wahl-Mannheimerin zu hören, aber man munkelt, dass da dieses Frühjahr eine EP auf uns wartet. Es gilt also gespannt zu bleiben und aufgeregt die Augen nach Mukke- und Musikvideo-Nachschub offen zu halten. Währenddessen muss ganz unbedingt in die Songs “Erika” und “Du und das schwarze Loch” reingehört werden. Ersterer: Eine queere Lovestory, Zucker! Der Zweite: Eine Geschichte häuslicher Gewalt. Paula Carolina ist immer am Puls der Zeit, verliert dabei wichtige feministische-gesellschaftliche Debatten nicht aus den Augen und bleibt immer ehrlich.

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