Fil Bo Riva im Capitol: Von wildem Fluss mitgerissen worden

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Erst vor einem Monat veröffentlichte der Wahlheimat-Berliner-Italiener-Whatever (ich check ehrlich gesagt nicht, wo der jetzt herkommt, jede Quelle sagt irgendwas anderes) sein lang, ersehntes Debüt-Album Beautiful Sadness, auf dem sich satte 13 wunderschön-traurige Songs verbergen. 😉 Da der Konzertbericht der Leoniden anscheinend ganz gut bei der Landstreicher-Crew ankam, durfte ich mir den riesigen Zottel letzte Woche also live und gratis im Capitol in Hannover anhören.

Say Yes Dog als Vorband

Kurz vorweg: Die Vorband hieß Say Yes Dog und hatte zwei ziemlich coole letzte Songs. Den Rest des Sets habe ich leider aufgrund meines eher rückwärts gerichteten Zeitmanagements vercheckt. Eh, ich meinte, der Bus hatte Verspätung.

Fil Bo Riva betritt die Bühne

Nach dem kurzen Dominanz-Warte-Spielchen, was man sonst nur aus dem Wartezimmer des Hausarztes kennt, betritt dann ein riesiger Kerl die Bühne. Das ist Fil Bo Riva. Lange Haare verdecken sein Gesicht und er erinnert mich etwas an den Cinemagraph-Schönling. Nur in der nächsten Digitationsstufe. Oder so. Optisch sah die Band aus wie ein Mix aus Kuratoren von High-Fashion-Instagram-Kanälen und Antiquitäten-Händlern vom Flohmarkt. Ein bisschen vintage, ein bisschen retro, Kettchen hier, Ringchen da. Shabby Chic, aber stimmig. Auch die Bühnen-Performance war wie die Kill-Streak von Hillary, makellos. Und auch vom gemeinsamen Song beenden bis zum hastig-lässigen Rauchen zwischen zwei Songs, exekutierte das Quintett alle coolen Moves in Perfektion.

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Maybe you do have to put on the red lights…

Musikalisch gab es natürlich keine Überraschungen. Es wurden sowohl Songs von Beautiful Sadness, als auch von If You’re Right, It’s Alright gespielt. Wie zu erwarten, kamen die Hits beim bunt gemischten Publikum am besten an. Bei Titeln wie Franzis, Like Eye Did, Killer Queen oder Go Rilla erhellte sich kurz der Raum und die Meute tanzte wie wild. 

Gesanglich bewegt sich der Meister der Sil Ben Tren Nung ungefähr auf dem selben Sägeblatt-Level wie Annenmaykantereit oder Giant Rooks. Energetisch und mit unverkennbarem Charakter hat sich Fil Bo Riva in den 90 Minuten Konzert also durch die Herzen seiner Fans, jetzt auch inklusive mir, gesägt. Bei ein paar lang gezogenen Tönen, hatte ich sogar Gänsehaut. Unerwartet, aber schön.

Auf Gleis 3 fährt ein…

Nur die Ansagen zwischen den Songs hatten aufgrund der armseligen Mikrofonierung etwas von einer Bahnhofs-Durchsage. Rein akustisch konnte man wirklich nichts verstehen. Einzig die zum indischen Gebet gefalteten und auf uns gerichteten Hände ließen das geschulte Konzertgänger-Auge auf eine Danksagung schließen. Das hat aber auch sonst keinen so richtig gestört…

Fil Bo Riva überzeugt und reißt mich mit wie ein wilder Fluss

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Den Applaus haben sie sich verdient!

Am Ende muss ich sagen, dass mich die Musik von Fil Bo Riva doch überzeugt und mitgerissen hat. Welcher Song es genau war, weiß ich nicht mehr, aber irgendwann war ich wie hypnotisiert von den eingängigen Melodien und langgezogenen Tönen seiner Musik. Der Zustand ist ungefähr vergleichbar mit Alkohol trinken. Wann genau du die Schwelle zum betrunken sein übertreten hast, weißt du nicht mehr. Du weißt nur, dass du jetzt eben betrunken bist und das es Spaß macht.

Eine Sache gibt es da noch, die ich anmerken möchte: Da ich letztes Jahr schon Clueso im Capitol gesehen und die eher energielose Performance kritisiert hatte, beschleicht mich nun so langsam das Gefühl, dass es nicht am Act, sondern an der Location selbst liegt. Denn auch an bei Fil Bo Riva hatte ich das Gefühl, dass auf keiner Seite der Bühne das Feuer so wirklich brannte, sondern eher nur so vor sich hinzüngelte. Hier und da, gab es mal ein kurzes Knacken und eine kleine Stichflamme, ansonsten war die Atmosphäre aber eher mit einem 4K-Kaminfeuer auf dem Plasmafernseher vergleichbar.

Was ist also das Fazit?

Nevertheless war das Konzert trotzdem sehr unterhaltend und eine schöne Erfahrung. Daher mein Fazit: Tolle Band, talentierter Künstler, angenehme Musik. Wenn du kannst, schau ihn dir live an. Auch wenn du nicht viele Songs kennst, nimmt dich Fil Bo Riva trotzdem an die Hand und zerrt dich einmal durch die Beautiful Sadness. 🙂

Wenn du zu pleite, faul oder abgehoben bist, um Fil Bo Riva live zu sehen, kannst du dir hier die Live-Session von FM4 reinziehen:

picky Tim

Hey du, ich bin Tim und ziemlich picky. Deswegen schreibe ich nur über Musik, die ich selbst sehr gut finde. Ich schreibe oft frech, manchmal auch ernst, aber immer 100% ehrlich. #promise

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