Billie Eilish: Eine kurze Rückblende

Ich gehöre eigentlich nicht zu der Art von Mensch die bei neu entdeckten Künstlern sagt, dass man sie schon vorher kannte…ABER bei Billie Eilish konnte ich mich dann doch nicht zurückhalten. 

Entdeckt habe ich sie vor ziemlich genau zwei Jahren auf Youtube. Es war das Jahr 2016 und ich hatte wieder eine dieser Phasen bei der man ganze Nächte auf Youtube verbringt und nach neuer, interessanter Musik sucht. Irgendwann hatte ich dann den Algorhythmus fast in die Knie gezwungen, dennn es wurden mir nur noch Live-Sessions vorgeschlagen und ich hatte das Gefühl, dass sich meine kleine Reise durch die Tiefen des Internets dem Ende näherte.

Ich dachte mir, „Ok, ein Video noch und dann ist gut (ich glaube ihr wisst, was ich meine). Ich schaute mir in der Seitenleiste alle Thumbnails an, und wurde dann auf ein Video von einer Sofar-Session aus L.A. aufmerksam. Auf dem Thumbnail, sah man ein junges, hübsches Mädchen mit weißen Haaren und einen Künstler-Dude am Keyboard (jaa, ich weiß, das ist ihr Bruder). Ich dachte mir, „Das sieht doch ganz schön vielversprechend aus”, also klickte ich drauf – und wurde nicht enttäuscht!

In dem Video performte sie mit ihrem Bruder eine noch intimere und zerbrechlichere Klavierversion von “Six Feet Under”. Normalerweise bin ich bei Sofar-Session Künstlern immer etwas skeptisch, weil ich aus Erfahrung gelernt habe, dass sich die meisten dort vorgestellten Künstler viel mehr darauf konzentrieren “indie” und “alternativ” auszusehen, als tatsächlich „indie“ und „alternativ“ zu sein, auf musikalischer Ebene.

Billie Eilish bei Sofar Sounds

Als dann der erste Ton kam, war ich schon ziemlich angetan von ihrem Gesamtpaket: Schöne Stimme, interessantes Styling, toller Song. Aber wie gesagt, eine leichte Skepsis war noch vorhanden. Nach Ende der Performance gab ich ihren Namen in die Suchleiste und klickte bei den Ergebnissen auf das Dance-Performance-Video von „Ocean Eyes“. #Mindblown

Einfach nur magisch: Nicht nur dass der Song super schön ist, auch die Dance-Performance hat mich total mitgenommen. In diesem Moment wusste ich, dass ich auf einen Diamanten gestoßen war. Mein persönlicher kleiner Geheimtipp. Ich suchte nach mehr Content von ihr im Internet, fand aber nichts wirklich Befriedigendes, also musikalisch jetzt. Also merkte ich mir den Namen, klappte den Laptop zu und ging schlafen.

Zwei Jahre später, schickt mir mein bester Freund den Spotify-Link zu „idontwannabeyouanymore“ und fragt mich ob ich “diese Künstlerin” kenne. Da musste ich nur müde lächeln, höre es mir aber  natürlich an – und bin wieder total geflasht von motherf*cking Billie Eilish.

Ich höre mir also ihren neuen Stuff an und bin fasziniert davon, wie sie sich entwickelt hat. Ich habe zwar vorher schon bemerkt, dass sie langsam von anderen Größen der Pop-Kultur entdeckt wird, hab aber bis dahin irgendwie nie die Zeit gefunden, mir ihre neue Musik mal anzuhören. Ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, dass sie weiter in die Richtung von „Ocean Eyes“ und „Six Feet Under“ gehen würde.

Tut sie ja auch, aber gemixt mit Trap-Einflüssen und da schlägt sie leider einen Weg ein, auf den ich ihr nicht folgen kann.

Billie Eilish und der Trap

Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich Trap- und Cloud- und alles andere was den Begriff „Rap“ vergewaltigt bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen überhaupt nicht ausstehen kann. Ich will das jetzt an dieser Stelle nicht weiter ausführen, vielleicht schreibe ich später nochmal einen Artikel dazu. Auf alle Fälle war ich ziemlich enttäuscht, als ich auf fast jedem ihrer Tracks auf „dont smile at me“ diese typischen, schnellen Hihats gehört habe, die es sonst nur bei Trap-Songs zu hören gibt. Zuerst habe ich mich geärgert, so eine vielversprechende Künstlerin an so ein beschissenes Genre verloren zu haben, aber dann dachte ich mir, dass man ihr es irgendwo auch nicht böse nehmen kann – ich meine sie ist 2001 geboren, demnach jetzt 17 Jahre alt und damit genau der Teil der Musik hörenden Gesellschaft, der diese tätowierten „Künstler“ als Vorbilder nehmen muss (weil es sonst leider nichts besseres gibt).

Trotzdem, der bittere Beigeschmack bleibt. Meiner Meinung nach ist Billie Eilish eine Künstlerin, die es gar nicht nötig hat, sich an Elementen aus einem anderen Genre zu bedienen. Ich finde, sie hat jetzt schon die Fähigkeiten und vor allem das Potenzial, ein ganz eigenes, für sie charakteristisches Genre zu erschaffen – bisher hat sie nur mit sehr sanfter und zerbrechlicher Stimme gesungen – ob sie also die Power von Whitney Houston oder Pink hat, kann man demnach noch nicht genau sagen.

Ich persönlich hoffe darauf, dass dieser kleiner Abstecher in den Trap nur ein mitsurfen auf der aktuellen Mainstreamwelle war und sie sich nachdem das alles wieder vorbei ist (Einspieler: Alter Mann sagt mit epischem Blick in die Kamera: Gott steh uns bei) wieder auf ihren eigenen Stil besinnt. Ich bin sehr gespannt, in welche Richtung sie sich entwickeln wird.

Normalerweise haben Künstler, die in so jungen Jahren entdeckt und gepusht werden, eine Halbwertszeit von fünf bis sechs Jahren, bevor sie anfangen zu rebellieren und komische Sachen zu machen (siehe Justin Bieber, #nohate), aber bei Billie Eilish habe ich das Gefühl, dass sie einfach zu cool für diese Art von Absturz ist. Denn wenn ich mir aktuelle Interviews von ihr anschaue, bekomme ich das Gefühl, dass sie sehr erwachsen für ihr Alter ist und ganz genau weiß was sie sagt und tut – auch wenn sie behauptet, sie hätte keine Ahnung („like literally dude i have no idea what’s going on“).

Ob ich letzten Endes Recht habe oder nicht, wird wohl nur die Zeit zeigen können. Zum Abschluss gibt es hier noch einmal das sagenumwobene Video, mit dem alles begann:

picky Tim

Hey du, ich bin Tim und ziemlich picky. Deswegen schreibe ich nur über Musik, die ich selbst sehr gut finde. Ich schreibe oft frech, manchmal auch ernst, aber immer 100% ehrlich. #promise

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