Wolf Alice erfinden sich neu in „The Last Man On Earth“

Wolf Alice, Indie Rock, Review

So kraftvoll kann Sanftheit sein: Die Band Wolf Alice ist nach drei Jahren Pause zurück mit einer neuen Single, einem neuen Sound. The Last Man On Earth zeigt uns eine ganz andere Seite der eigentlich sehr explosiven Indie-Rocker aus Großbritannien und funktioniert gleichzeitig als Vorbote für das am elften Juni erscheinende Album Blue Weekend. Melancholisches Klavier, ein Chor und existentielle Krisen – alles das taucht in diesem Song auf.

Ein Timer zählt die quälend langen Sekunden in der YouTube Premiere herunter; der Chat daneben kann kaum verfolgt werden, so viel Vorfreude teilen die Fans dort auf einmal mit. Das Comeback der Londoner ist ein lang ersehntes, das letzte Album Visions Of A Life stammt aus dem Jahr 2017. Für mich gehört die Gruppe rundum Sängerin Ellie Rowsell schon lange zu den Größen der alternativen Musikszene, aber spätestens nach dem Feature auf dem Soundtrack von Trainspotting T2 sieht das auch der Rest der Welt ähnlich.

Als nun die ersten Töne von The Last Man On Earth zu hören sind, macht sich Überraschung breit. Keine lauten Gitarren, kein schnelles Schlagzeug: Die zarten Klänge eines Klaviers eröffnen das Lied und Ellies Stimme scheint sehr viel ruhiger als sonst. Sie steht mit traurigem Gesichtsausdruck vor der Kamera, alles in schwarz-weiß und um sie herum nur Dunkelheit. Der Gesang klingt anfangs fast wie ein Raunen, ganz sanft spricht sie mit dem letzten Mann auf dieser elendigen, düsteren Welt.

Und dann, wenn man in Wolf Alice Songs den explosionsartigen Moment erwarten würde, der Punkt wo spätestens der kraftvolle Indie Rock hervorbricht, mit dem die Band bekannt geworden ist, genau dann setzt ein Chor ein. Die Band natürlich auch, aber sehr viel gefasster. Und dann auch noch dieser Beatles-esque Gitarrenriff! Wer bis jetzt noch keine Gänsehaut hatte, der bekommt sie jetzt. „The light shines on you“ singt Ellie nun mit einer neugewonnen Kraft in der Stimme, während hinter ihr der pechschwarze Hintergrund zu brennen anfängt – Ein Bild, was sich auch ins Gedächtnis einbrennt.

 The Last Man On Earth ist die Ballade, von der wir nicht wussten, dass wie sie brauchten. In einem Interview bei BBC Radio1 beschreibt die Sängerin das Stück als „musical form of my existential crisis“ und das trifft es auf den Punkt. Nachdem der Bildschirm sich wieder schwarz färbt, weiß man nicht genau ob das gerade das Ende der Welt oder der Anfang von allem war. Was ich auf jeden Fall weiß, ist dass ich die Tage bis zum elften Juni in meinem Kalender abzählen werde.

picky Elsa

Alles endet aber nie die Musik” hat Casper mal gesagt – und damit auch nie das Schreiben darüber. Genau das mache ich hier bei Picky, mit viel Leidenschaft. Mein Leben spielt sich meistens zwischen dem Plattenspieler mit verstaubtem Vinyl aus dem letzten Jahrhundert und meinem Spotify voller neuer Indiemucke ab. Was braucht man mehr? (Hm, Konzerte mal wieder vielleicht?) Tja, meine Freund*innen bezeichnen mich deswegen auch liebevoll als Shazam in Person – ich schätze das fasst es gut zusammen. Musik löst einfach viel in Menschen aus; Melodien lassen dich durch den Raum tanzen, Lyrics treffen ins Herz. Manches davon kann man kaum beschreiben und trotzdem versuche ich eben das in Worte zu packen. Also hi du, auf der anderen Seite des Bildschirms: Ich bin Elsa und freu’ mich darauf dich weiterhin mit vielen Artikeln über die spannendsten Sachen aus der Musikwelt versorgen zu dürfen. Wer weiß, möglicherweise stößt du dabei ja auf deine*n neue*n Lieblingskünstler*in…