Trümmer sind “Aus Prinzip gegen das Prinzip”

trümmer band

Ich bin frisch verliebt – und zwar in die neue Trümmer-Single. „Aus Prinzip gegen das Prinzip“ ist seit vergangenem Freitag mein heimlicher Crush. Seit dem ersten Mal Hören hat es mir der Song einfach angetan und mich nicht mehr losgelassen. Warum das so ist, lest ihr hier.

Bevor ich (wahrscheinlich vergeblich) versuche, das was der Song in mir ausgelöst und angeregt hat irgendwie in Worte zu fassen, wäre es vielleicht ja gar nicht mal so schlecht die Band erstmal überhaupt vorzustellen.

Die Band 

Also, zum Mitschreiben für all diejenigen, denen Trümmer (noch) kein Begriff ist:

Trümmer sind eine deutschsprachige Indie-Rock-Band aus Hamburg. Bestehend aus: Paul Pötsch (Gitarre, Gesang), Tammo Kasper (Bass), Maximilian Fenski (Drums) und Helge Hasselberg (Gitarre). Der Song „Aus Prinzip gegen das Prinzip“, um den es hier gehen soll, wird auch auf ihrem kommenden Album „Früher war Gestern“ zu finden sein, welches am 17. September beim Label PIAS erscheinen wird.

Hätten wir die Hardfacts also geklärt – zurück zum Song.


Aus Prinzip gegen das Prinzip

Das was mich an „Aus Prinzip gegen das Prinzip“ anfangs am aller meisten umgehauen hat ist die Tatsache, dass er so viele Subthemen behandelt und es dennoch schafft aus diesen vielen Teilaspekten eine zusammenhängende Ode an die Hoffnung zu spinnen. Von Selbstliebe, über Wut auf gesellschaftliche sowie politische Stagnation bis hin zum Leistungsdruck, der dazu führt, dass man sich in einer kapitalistischen und leistungsorientierten Gesellschaft oft selbst nicht genügt. Dein Wert als Individuum wird anhand den von Trümmern besungenen „Prinzipien“ festgemacht. Entweder du erfüllst diese Prinzipien oder du tust es nicht. Es gibt kein Dazwischen. Die Konsequenz, wenn du es nicht tust? Dir wird von allen Seiten vermittelt, dass du allein nicht genug bist.

Beim zweiten Hinhören ist der Song allerdings bereits ein Politikum in sich selbst. Er erkennt die vorherrschenden Gegebenheiten unserer Gesellschaft an und ermutigt im Gegenzug zum Umsturz dieser (alten) Ordnung, die sich auf eben jenen Prinzipien ausruht. Er entpuppt neoliberale Erfolgsgeschichten als gesellschaftliche Lüge und lässt dennoch Raum, der mit Hoffnung gefüllt werden soll. Der Song spendet Trost für all diejenigen, die sich in dieser Ordnung verloren fühlen und fehl am Platz wirken, er schweißt zusammen.

“Verwende deine Jugend / Demontiere die Dämonen / Reiß’ die Zeit aus ihren Fugen / Deprimier’ die Depressionen / Und du wirst das Schweigen brechen / So wie andere Versprechen / Damit endlich was geschieht / Aus Prinzip gegen das Prinzip”

Gerade als junger Mensch in einer Welt, die auf den unvermeidbaren Untergang zusteuern zu scheint, hat der Song etwas empowerndes. Er versteht einen. Er bestätigt mich in meiner Wut über Stillstand. Denn: man müsste so viel in dieser verkorksten Welt verändern, am besten jetzt gleich.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht unbedingt das Bild des durchschnittlichen Trümmer-Hörers abgebe, geschweige denn zur eigentlichen Zielgruppe der Hamburger gehöre. Dennoch: der Song fühlt sich an, als sei er für mich und Leute meiner Generation geschrieben worden. Jugendliche Aufruhr, der Wille die Welt zu einem besseren Ort mit und umzugestalten sowie fast schon ein naiver Funken Hoffnung einen (politischen) Umbruch einleiten zu können. Vielleicht sind wir ja wirklich die Generation, die das Ruder umreißt, die das Schweigen bricht. Die Revolte scheint mit „Aus Prinzip gegen das Prinzip“ greifbar nah. Es ist, als lägen die Veränderungen, die ich mir so sehr herbeisehne, zwischen den Akkorden in der Luft.

„Aus Prinzip gegen das Prinzip“ hat mir auf die schönst möglichste Weise klar gemacht, dass es eben keine Rolle spielt aus welchen Menschen sich ein Publikum oder eine Hörer*innenschaft zusammensetzt. Denn am Ende des Tages zählt nur eins: dass uns die Musik unabhängig von unserer vermeidlichen Verschiedenheit, die durch äußerliche Merkmale begründet werden soll, berührt. Und das hat mich dieser Song allemal. Danke dafür.

Trümmer haben es in ihrer neuen Single geschafft, Slogans, die von politischer Seite oft mit leeren Versprechen gefüllt und instrumentalisiert werden, wieder Gehalt einzuflößen. Wenn Trümmer einem sagen man könne die Zeit aus ihren Fugen reißen, möchte, nein man WILL, das glauben. Jeder einzelnen Zeile liegt etwas Hoffnungsvolles und Euphorisches inne – so als wisse man, dass nun die Zeit für Aufbruch nicht nur reif, sondern längst überfällig sei. Trümmer liefern für das Feuer, das dafür in einem gezündet wird, den perfekten Soundtrack. 

Beitragsbild: Tim Erdmann