(Bild: Vrinda Jelinek)
Nach gut zwei Jahren Albumpause machen Salò auf dem neuen Album „Hardcore“ deutlich: Hardcore Is Not Dead! In ihrem Signature-Sound legen sie Hörer*innen insgesamt zehn Songs vor und beweisen ihre Energie auf der Bühne.
Vor wenigen Wochen hat die Band Salò ihr neues Album „Hardcore” veröffentlicht. Nach den Longplayern „Subjektiv Betrachtet“ aus 2023 und „Problemzone Mensch“ aus 2024 können sich Fans nun schon über eine dritte Platte der österreichischen Musikformation freuen, wie Frontmann Andreas das Quartett auf der Bühne in Berlin vorstellt. Denn zum neuen Album gibt es auch direkt eine bereits verlängerte Tour. Die entgegen der Platte den Titel „Hardcore ist tot“ trägt.
Tourstart war für die Österreicher in Leipzig, die Show in Berlin bildet erst den zweiten Tourstopp. Nachdem Newcomerin Lisa Uebel als Support die draußen in der Abendsonne rumlungernden Fans nach drinnen zieht, stimmt sich das altersdurchmischte Publikum mit den elektronischen Sounds schon auf den Abend ein. Nach einer kurzen Umbau-Zeit ist es dann auch soweit und Salò betreten die Bühne in einem ausverkauften Festsaal Kreuzberg. Zu leuchtenden Fernsehern, die im Hintergrund pulsieren, laufen Schlagzeuger, Bassist, Gitarrist und Sänger ein.
Wie die neue Platte selbst wird auch das Set an diesem Abend in Berlin mit dem Track „Rotten.com“ eröffnet. Der Song ist dabei nicht nur geladen mit schlauen Beobachtungen vom Zustand unserer westlichen Gesellschaft, sondern verpackt diese auch mit harten Drums und der verzerrten Gitarre, die Fans schon aus früheren Songs kennen. Zeilen wie „Während all die andren Kinder grad im Schwimmbad sind, schaut er sich tote Leute an“ bekommen durch den unermüdlichen Einsatz der Band auf der Bühne – schnelle Moves, Headbanging, Mikro durch die Luft schleudern – nochmal mehr Schlagkraft und Wucht. Die Songs, die wir sonst vermutlich größtenteils über Streaming hören, lassen sich nahtlos in ein Live-Set übertragen. Damit zeigen wieder einmal, wie Musik eigentlich gehört werden muss – nämlich in einem Schuppen mit anderen Leuten, die wegen der gleichen Sache da sind. Der guten Musik!
„Hardcore“, der Gesellschaftskommentar
„Hardcore“ ist dabei ein Album mit mehr Inhalt als einfach nur runtergeschrammelte Songs. Darf es Anarcho-Punk mit „Jello Biafra hat gesagt, lynch deinen Vermieter“ auf „Jello Biafra“ sein, ein Liebeslied an Tauben oder doch klassisch – die Liebe? Auf „Hardcore“ findet sich die kompromisslose und radikale Haltung, die gerade so rar auf dem Musikmarkt scheint. „Ich hätte heut’ schon wieder fast den Nahost-Konflikt gelöst, aber mein Handyakku war schon wieder leer“ – im abgestumpften Zeitalter von Überkonsum im digitalen Raum und politischer Ungewissheit, halten Salò uns regelrecht den Spiegel vor.
„Ich seh die Welt so wie sie mir gefällt“ singen Salò auf „2D“ und sorgen mit der neuen Platte dafür, dass wir die Welt so hören können, wie sie uns gefällt. Mit elektronischen Elementen, eingängigem Schlagzeug und Lyrics, die man sich einfach aus der Seele schreien möchte – wie es die Fans in Berlin auch tun. Die energiegeladenen Melodien wie bei „Ich bin Richard Lugners Frau“ stacheln einen beim Hören regelrecht an, all die angesammelte Energie, die beim Doomscrollen eingespart wird, endlich mal rauszulassen. Während der Titel des Albums einfach nur passend das Genre „Hardcore“ einfängt, trifft der Tourtitel die Aussage: „Hardcore ist tot“ und stellen damit schon fast eine verrmeintliche Antithese auf. Die Musiker aus Österreich zeigen uns nämlich, dass dem doch nicht so ist.
Eine Fan-Service-Band
Auf der Bühne geben Salò natürlich nicht nur die neue Platte zum Besten – auch über ältere Songs darf sich das Publikum freuen. So spielen die vier Musiker Lieder wie „Ektoplasma“ oder „Bonjour Tristesse“, die mittlerweile doch schon ein wenig zurückliegen – aber dafür umso mehr Begeisterung im aufgeheizten Publikum auslösen. Salò haben mit der Setlist für die „Hardcore ist tot“-Tour vermutlich eine der Besten geschaffen, hätte geben können. Wirklich alle Songs, die man sich von der Band bei einem Konzert wünschen kann, sind zu finden. Ob es eben „Ektoplasma“ oder „Universal Punks Fuck Off“ der vorherigen Platte ist – Salò zeigen wie man sich genau richtig an der eigenen Diskografie bedient. Außerdem antizipiert die Band auch, wann die zuhörende Menge von den Moshpits mal eine kurze Pause braucht und wann es auch mal traurigere Töne zu hören geben darf.
Zu guter Letzt darf nicht die obligatorische Zugabe fehlen. Denn es fehlt auch noch der absolute Fan-Favourite: „Apollonia sitzt bei Edeka an der Kassa“. Als „Rausschmeißer-Song“ gibt es dann passend zu „Hardcore“, den Track „Hundsjahre“, der auch das Album abschließt. Bei ihrem Tourstopp in Berlin beweisen die Österreicher entgegen dem Tournamen, dass Hardcore alles andere als tot ist. Die Crowd ist von Sekunde eins angezündet gewesen und eben diese Energie hat sich bis zum letzten Track getragen. Die gelieferte Show wird noch lange im Kopf bleiben und sich unmittelbar mit dem Begriff „Hardcore“ im Hirn verknüpfen.
Nun bleibt nur noch zu sagen, wenn ihr die Möglichkeit habt auf ein Salò-Konzert zu gehen, dann geht hin! Salò sind noch bis November 2026 auf „Hardcore ist tot“-Tour.
