Hayley Williams, you can only go up from here!

Bild: Zachary Gray*

„I’ll be the biggest star“ singt Hayley Williams auf ihrem neuen Album und dem gleichnamigen Song „Ego Death At A Bachelorette Party”. Ob sie damit Recht behält, beantwortete uns die US-amerikanische Sängerin bei ihrem Konzert in Berlin.

Wenn man schon einen Tod sterben muss, dann hoffentlich erst nach einem Hayley-Williams-Konzert. Und am besten auf ihrer Tour zur „Ego Death At A Bachelorette Party“-Platte. Am Montag hat die Sängerin eines ihrer insgesamt drei Konzerte in Deutschland gespielt. Die Tatsache, dass das Tempodrom in Berlin ausverkauft war, bestätigt schon im Vorhinein – hier wird man eine beeindruckende Live-Show erleben.

Traumhafte Pünktlichkeit

Im November des vergangenen Jahres hat Hayley uns ihr neues Album „Ego Death At A Bachelorette Party“ geschenkt – mittlerweile schon ihre dritte Soloplatte. Auf der beweist sie Fans wieder einmal, warum sie nicht nur musikalisch zu einer der prägendsten Künstlerinnen unserer Zeit gehört. Denn auch inhaltlich weiß sich die Paramore-Frontsängerin wortgewandt auszudrücken. Got too big for my britches/ Too big for my fishes/ The sea got shallower every day/ I danced, I said my prayers, it never rained“ singt sie auf dem titelgebend Track und lässt damit tief blicken. Die Zeilen lassen sich lose mit „Ich habe mir zu viel zugetraut“ oder „Ich bin übermütig geworden“ übersetzen – doch in Berlin macht Hayley Williams deutlich, dass sie sich noch viel mehr zutrauen kann. 

Schon vor dem Konzert zieht sich eine meterlange Warteschlange durch die Hallen des Tempodroms. Stundenlang stehen die Fans schon vor dem Konzert für Hayley-Merch an, ein gutes Zeichen, denn wer sich schon vor der Show mit Klamotten eindeckt, weiß schon was die kommenden anderthalb Stunden bevorsteht. Pünktlich um 21 Uhr geht das Licht aus und Hayley Williams betritt die Bühne. Von tosendem Applaus empfangen, starteten die Sängerin und ihre vierköpfige Liveband mit „Mirtazapine“ in die Show. Die Energie, die schnell auf der Bühne wächst, überspringt schon nach wenigen Sekunden ins Publikum. Die punkigen Gitarren von „Mirtazapine“ lassen die schöne Wirklichkeit, Hayley Williams live zu sehen, fast schon wie einen Traum wirken.

Kein unscheinbares Mauerblümchen

Verträumt ist dabei übrigens auch ihr Look und das Bühnenbild. In pastellfarbenen „Sheer-Layers“ und wuscheligen Haaren schwebt sie zwischen langen weißen Vorhängen um das Klavier oder mit Gitarre umher. Mit Lampen die über der Bühne hängen und halb abgedeckten Möbelstücken inszeniert sich die Bühne dabei zu einem Ort, der eigentlich schon heimlich und versteckt exsistiert. Wie wohltuende und auch schmerzvolle Erinnerungen, die man ordentlich sortiert in einem Fotoalbum oder Tagebuch aufbewahrt. Vermutlich schon lange vergessen, erleuchten diese im Einklang zur Musik von Hayley und man stolpert förmlich in die melancholische Schönheit.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Eben diese ist auch zentraler Bestandteil von dem Albums „Ego Death At A Bachelorette Party“. Auf der Platte erzählt die Sängerin von Höhen und Tiefen, in der Liebe, aber auch in der Musikindustrie, wie sie es beispielsweise auf dem Track „Showbiz“ besingt. Zwischen den Songs ergreift Hayley zwar nicht oft das Wort, aber an einer Stelle im Konzert erzählt sie konkreter von ihrer Gefühlswelt. „We accept the love we think we deserve“, Worte die dem Publikum nicht allzu unbekannt sind. Sie stammen nämlich aus dem Film „The Perks of Being a Wallflower“ aus dem Jahr 2012, der „Little Emo Hayley“ und der Resonanz im Publikum zu urteilen auch viele Fans geprägt hat.

Die Musikerin erklärt weiter „I’m starting to feel like I deserve a little bit more“, was die Crowd mit einem Applaus beglückwünscht. Für findige Fans außerdem nicht überraschend, denn der Film und das gleichnamige Buch gehören zu Hayleys Lieblingen. Die darin behandelten Themen wie Introvertiertheit, psychische Gesundheit und das Erwachsenwerden verknüpft sie mit eigenen emotionalen Erfahrungen in ihrer Solomusik.

Core Memories mit Hayley Williams

Dass schöne Dinge immer zu schnell vergehen, trifft leider auch bei einem Hayley-Williams-Konzert zu und die Show findet zu schnell ihr Ende. Die Performance von einem der Fan-Favorite-Songs „Good Old Days“ stiftet dabei nochmal Kraft für die verbleibenden Minuten – und die natürlich vorhersehbare Zugabe. Selbst in den oberen Rängen des Tempodroms fühlt es sich an, als würden sich die Energien aller Zuschauer*innen gemeinsam mit Hayleys künstlerischer Wucht bis zum Ende doppeln. Das bittersüße Gefühl von Nostalgie und Melancholie löst dabei schon während dem Hören einen Schmerz aus, das Wissen, dass der Song nach wenigen Minuten vorbei ist und das Konzert auch nicht für immer bleibt. Passend also auch das Bühnenbild, was nicht nur wie ein vergangener Ort aussieht, sondern auch von Videoprojektionen im Hintergrund begleitet wird. 

Bald darauf ist auch das Tempodrom ein weiterer vergangener Ort. Nach der Zugabe und langem Applaus für Hayley Williams strömt das Publikum nach draußen, es bildet sich eine neue Schlange zu den Merch-Artikeln, denn von dieser Show will man gerne eine Erinnerung mit nach Hause nehmen. Die vergangenen Stunden werden hoffentlich so oder so für immer in den Köpfen bleiben, aber eine kleine Gedankenstütze in Form eines Shirts schadet ja auch nicht. Sicher ist sicher.

I’ll be the biggest star

Wie Hayley Williams es schon selbst auf „Ego Death At A Bachelorette Party“ singt, „I’ll be the biggest star“, behält sie damit Recht. Die Leidenschaft für ihre Musik, ihre Kunst und am Ende auch Hayley Williams als Person ist nicht abzustreiten. Die Berlin-Crowd erweist ihr an diesem Abend mit ihrem Enthusiasmus und Mitgefühl alle Ehre. Die Einzigartigkeit ihrer Musik, die eigene Verletzlichkeit so ehrlich und direkt offenzulegen, macht sie zu mehr als einer musikalischen Inspiration. Die Nahbarkeit nicht in einem festgefahrenen Genre einzusperren, sondern sich musikalisch den Raum zu nehmen, den es für komplexe Themen wie die Liebe und alles drum herum nun mal braucht – dieses Talent besitzt Hayley Williams und lässt uns daran teilhaben. Denn auch wenn Hayley die Frontsängerin der Band Paramore ist, sickert die Ehrlichkeit solo vermutlich doch mehr durch, weil es genügend Platz dafür gibt.

Dass diese unvergleichliche Art auf so viel Mitgefühl und Leidenschaft stößt, ist also nicht verwunderlich. „Can only go up from here“ singt Hayley auf dem titelgebenden Song weiter oder wie auf „Showbiz“ „It’s never enough, taste like the whole ocean“. Damit dürfte sie hoffentlich Recht behalten, denn bei ihrem Talent und musikalischen Skill-Set steht ihr jeder Erfolg mehr als zu.

Hier könnt ihr in „Ego Death At A Bachelorette Party“ reinhören:

Hier klicken, um den Inhalt von Spotify anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von Spotify.