Dominik Hartz macht auf neuer EP einfach nur was er will

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Dominik Hartz (Foto: Finn Waldherr)

Bereits im November erschien die gleichnamige Single und damit der erste Hinweis auf Dominik Hartz neue EP. Seit vorletztem Freitag freuen wir uns nun über „Was ich will“, den Nachfolger seiner im vergangenen Sommer erschienenen EP „Am Ende des Tages“.

Einfach mal machen was man will. Keine verschwenderischen Gedanken an Konsequenzen oder Verantwortungen. Die Seele baumeln lassen und nicht denken, einfach machen. So eine Einstellung kann sicher die ein oder andere Schwierigkeit nach sich ziehen. Oder im Fall von Dominik Hartz eben eine EP mit gleich fünf künstlerisch wie musikalisch herausragenden Songs hervorbringen. In „Was ich Will“ macht Dominik Hartz Titel zum Programm und verarbeitet in seinen Texten Sorgen, Wünsche und Erkenntnisse, eben all das, was einhergeht mit der Frage nach dem eigenen Sein.

Dominik Hartz ist ein wahres Multitalent. Auf der Bühne ist er zu Hause, gleichermaßen als Musiker wie Schauspieler. Gebürtig stammt er aus einem kleinen Dorf in Schleswig Holstein, für das Studium ging es für ihn nach Berlin. Seit 2019 veröffentlicht Dominik Hartz regelmäßig eigene Musik, bereits 2020 erschien seine erste EP „thoughts.On.Beats“. Darauf folgten 2022 seine „Am Ende des Tages“ EP und natürlich seine Single „Klimpa Klimpa“, mit der ihm allerspätestens der Durchbruch in die deutsche Indie Pop-Szene gelang. Mit „Was ich will“ schließt er musikalisch an seine vorherigen Veröffentlichungen an, jedoch nicht ohne sich ein wenig in der Breite unserer liebsten Indie Genres auszuprobieren. Denn „Was ich will“ umfasst nicht nur 5 Tracks, sondern mit ihnen verschiedene Moods und Blickwinkel, die Dominik Hartz ungemein zielsicher in Text und Sound umzusetzen weiß.


Der Titel war Programm. Was man will ist ja nicht immer dasselbe und diese EP erlaubt sich verschiedene Moods in einen gemeinsamen Kontext zu setzen.“

Dominik Hartz

FNJ

Los geht es mit „FNJ“. Mit dem Intro seiner EP setzt Dominik Hartz den Startschuss für „Was ich Will“. Lässiges Klavierklimpern und Lo-Fi Sound fragen nach den Möglichkeiten von Selbstbestimmung und eigenem Handeln. Wie den Überblick behalten bei Plänen, die doch schiefgehen, wider Ängsten, die sich nicht greifen lassen und dabei der Zeit ausgeliefert, die doch das Leben bestimmt. Hilft nichts, frohes neue Jahr!

Was ich will

An guten Tagen entgeht man diesem Wirrwarr wohl am besten mit ein wenig Zuversicht und Gelassenheit. Wieder und wieder stimmt Dominik Hartz in seinem Titeltrack „Was ich will“ das Mantra an „Ich mach einfach immer nur was ich will“. Mit Blütenblättern in der Luft und dem Himmel wolkig bis heiter setzt sich der Musiker den Weg als Ziel und lässt das Handy eben mal klingeln, ohne ranzugehen. „Was ich will“ gleicht einer Hymne an das Loslassen von jeglichen Sorgen und Stress. Viel mehr singt Dominik Hartz, solange er frei ist, zu funkigem Beat und eingängiger Melodie, immerhin wird schon alles werden, irgendwie, irgendwann.

2x blinzeln

Dann nur ein, zweimal geblinzelt und dem sommerlichen „Was ich Will“ schließt sich ein verträumter Frühling am Meer an. Ohne Worte, dafür mit Lächeln im Gesicht widmet Dominik Hartz seinen dritten Track „2x blinzeln“ der Familie und im Besonderen seiner Schwester. Seine liebevollen Lyrics und sanften Vocals verzaubern und klingen fast so schön wie Zuckerwatte Wolken unter blauen Himmel.

love yourself, fucked up

Schade nur das auf gute Tage nur zu oft auch schlechtere folgen. Wo „Sei du selbst“ nur noch als leere Worte von nem Plakat erscheinen und auf alles Gute ein Preis zu stehen scheint. „Love yourself, fucked up“ bildet textlich wie musikalisch ziemlich die Kehrseite zu „Was ich will“. Zwischen Melancholie und Verzweiflung singt wie schreit sich Dominik Hartz geradezu die Seele aus dem Leib und schlägt damit unweigerlich in seinen Bann. Geschickt balanciert der Musiker zwischen Laut und Leise und wirft nahezu um sich mit Gefühlen, für die er lieber taub wäre. Solange, bis das Scheinwerferlicht leise erlischt.

Lange Nächte

Mit „Lange Nächte“ schließt Dominik Hartz seine EP. In sanftem Slow-Jam erzählt er von eben solchen Nächten, die irgendwo zwischen Gut und Böse stehen. Die sich zwischen gestern und morgen schieben, auch nicht heute – einfach jetzt sind. Ein letztes Bier, auch wenn schon alles gesagt ist, nur um ein letztes Mal da zu sitzen und zu genießen, was noch nicht war, aber auch nicht mehr ist. Bis schließlich auch die längste aller Nächte vorüberzieht und Dominik Hartz elegant in sein Outro überführt. Um sich ein letztes Mal zu fragen, wer wir sind, bevor er sich entschließt: „Ich halt meine Karten in den Wind“.

„Was ich will“-Tour

Passend zum Release war Dominik Hartz übrigens die vorletzte Woche zeitgleich auf „Was ich will“-Tour. Wir hatten das große Glück, bei seinem Auftritt in München dabei sein zu dürfen und wollen euch natürlich auch hier unsere Eindrücke nicht vorenthalten.

Auf seiner Headliner Tour hat Dominik Hartz zuerst in Wien, dann in München, Hamburg und abschließend in Berlin halt gemacht. Unterstützt würde er bei seinen Auftritten von Produzent Lukas Riemenschneider sowie Support Act Aaron mit Produzent Jan Gandi.

Support Act Aaron

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Aaron ist nicht nur guter Kumpel von Dominik Hartz, die beiden haben bereits in der Vergangenheit gemeinsam an dem ein oder anderen Track gearbeitet. Seit 2022 veröffentlicht der Musiker und Produzent eigene Musik und zeitgleich mit „Was ich will“ droppte er seine Debüt-EP „nimmdichnichtsoernst“. Seinen Support nutze Aaron natürlich, um dein eigenen Release zu bewerben und präsentierte sich mit einnehmenden Beats und authentischen Texten. Womöglich nicht der erste Berliner Rapper mit Gitarre (entgegen der Aussage von Kollege Jan Gandi), dafür aber vielleicht einer der sympathischsten unter ihnen. Mit seinen Tracks gelang es Aaron auch trotz leichter Nervosität das Publikum gehörig anzuheizen und mit ein wenig Unterstützung rafften sich die Münchner bereits zu Ende des Supports zum ersten kleinen Moshpit zusammen.

Main Act Dominik Hartz

Im Nachhinein glich das Konzert einer wahren Achterbahnfahrt der Gefühle. Einmal auf der Bühne legte sich Dominik Hartz mächtig ins Zeug, interagierte immer wieder mit seinem Publikum und verwandelte das Milla innerhalb von Sekunden aus einem Konzertraum in einen Nachtclub zurück zu einem Lichtermeer aus Handylampen. Mal im Publikum, wieder auf der Bühne und dann mitten im Moshpit. In kürzester Zeit hatte Dominik Hartz jeden Einzelnen im Raum mit seiner Energie und Liebe zur Musik angesteckt. Neben einem Walkthrough durch die „Was ich Will“ EP gab es einige ältere Lieder zu hören, aber auch viel Neues und sogar noch teils unveröffentlichte Songs, unter anderem ein gemeinsamer Track mit Aaron. Welches Lied Dominik Hartz dabei auch anstimmte, die Menge sang mit Inbrunst mit. Es wurde gesprungen, gelacht, gemosht und natürlich getanzt, bis einem jeden die Füße wehtaten.

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Lustigerweise merkt man Dominik Hartz auch beim Performen ganz den Schauspieler an. Wie er seine Songs vortrug, erinnerte an mancher Stelle mehr schon einer gesungenen Erzählung und verschlang regelrecht die Aufmerksamkeit des Publikums. Mit seiner Gelassenheit und immerzu einem Spruch auf den Lippen wusste der Musiker doch auch genau diese Spannung wieder zu lösen und vereinnahmte zwischen den Tracks mit seiner aufrichtigen und lockeren Art.

Verstimmter Gitarre und übersteuertem Feedback zum Trotz verklang schließlich auch das letzte Lied und hinterließ neben jeder Menge verschwitzter T-Shirts sicherlich nicht nur bei uns einen Zustand reinster Glückseligkeit. Seine Musik, seine Art zu performen und nicht zuletzt die Stimmung der Menge vereinten sich zu einem ganz besonderen Abend. Und nicht nur Dominik Hartz, auch wir fanden sein Konzert „Über sick!

Die neue EP von Dominik Hartz erschien am 05.05 auf allen Plattformen, jetzt in „Was ich will“ reinhören: