Kraftklub auf der Sterben in Karl-Marx-Stadt-Tour 2026 in der Olympiahalle München. (Foto: Philipp Gladsome)
Die Indie-Größen von Kraftklub haben ihr neues Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ in München zum Besten gegeben. Zum ersten Mal hat es die Band nun in die Olympiahalle verschlagen und so stellt sich die Frage: Können Kraftklub ihre Energie auch in einer Zehntausenderhalle auf ihre Fans übertragen?
„Wie viele Menschen passen in die Olympiahalle?“ google ich auf dem Weg zum Kraftklub-Konzert in der U-Bahn. 15.273 steht dann auf meinem Handy. Krass. Ihr bis dahin letztes Konzert in München spielte die Band aus Chemnitz 2022 auf ihrer Kargo-Tour im Zenith – vor knapp fünfeinhalbtausend Besucher:innen. Also schon ein ziemlicher Sprung, der die Frage aufwirft: Können Kraftklub ihre Energie und Wucht bis auf die hohen Ränge der Olympiahalle schicken?
Aber bevor Kraftklub dieser Frage gerecht werden müssen oder können, heizen erstmal Lovehead das gespannte Publikum auf. Gerade noch auf der Tour zu ihrer eigenen Debüt-EP „fanta lustig“, stehen die Senkrechterstarterinnen aus Österreich nun in einer der größten Hallen Deutschlands. Eine gute halbe Stunde geben die drei uns im Publikum Songs zum Mitsingen und Mittanzen – um sich schon mal für die Band mit dem K aufzuwärmen, ist ja klar!
Sterben in der Olympiahalle München
Um kurz vor neun ist es dann soweit und das Licht wird dunkler. Das Publikum vibriert schon fast vor Vorfreude und Aufregung. Die ersten Töne erklingen und Steffen, Max, Karl, Till und Felix betreten die Bühne. Passend zur Tour zum neuen Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ steigen Kraftklub mit „Malboro Mann“ in ihre knapp zwei Stunden langes Konzert ein. „(Malboro-Mann) wir haben’s geschafft, schon bis hierher“ – treffender könnte der Refrain wohl nicht sein.
Dabei ist die Zeit gefüllt von den neuen Tracks wie „Schief in jedem Chor“, „Zeit aus dem Fenster“ und „So rechts“. Die Stimmung ist eigentlich dauerhaft von Mitgrölen, Tanzen und natürlich zahlreichen Moshpits geprägt. Ein unerwartetes Highlight zur Mitte des Konzerts dürfte das gemeinsame Cover mit Lovehead von Kelly Clarksons „Since you been gone“ gewesen sein. Weil andere Featuregäste in München leider ausgeblieben sind, wäre es zwar auch schöne gewesen, Features von „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ mit Lovehead als Ersatz zu hören, aber gegen Kelly Clarkson haben wir in der Crowd an diesem Abend auch nichts einzuwenden.
Danach geht es weiter mit einem Mix aus neuen und altbekannten Kraftklub-Classics à la „Wie ich“ oder „Kein Liebeslied“, für das die Band sich den Weg zu den Fans bahnt. In einem Meer aus Lichtern singen Karl und Felix die emotionalen Zeilen „Was soll ich sagen? Ich mag dich so ganz allgemein“. Den tiefen Emotionen kontert die Band dann mit ordentlich Energie. „Blaues Licht“ erleuchtet und ertönt für die anstehenden Minuten – Thema Liebe bleibt dabei bestehen. Auch die verbleibende Zeit ist gefüllt mit Euphorie, die bei „Chemie Chemie Ya“ ihren asoluten Höhepunkt erreicht. Eine Zugabe darf zum Schluss nicht fehlen und so zementiert die Band mit „Wenn ich tot bin, fang ich wieder an“ ihr musikalisches Schaffen einmal mehr. Das „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Comeback wird damit nach drei Jahren Album-Pause gebührend gefeiert.
Indie vor 15.000 Leuten?
Es stellt sich natürlich die Frage, ob gerade ein Genre wie Indie – im Fall von Kraftklub Indie-Rock – sich in eine große Halle mit über 15.000 Leuten übertragen lässt. Die Band hat diese Größen schon auf Festivals gespielt, aber bei einer eigenen Tour? Doch nochmal was anderes. Das Klischee zumindest wäre ja, dass Indie sich besser in kleinen Venues trägt, weil es intimer ist und die Gefühle sich besser transportieren können. Außerdem steht das Genre auch nicht unbedingt für große, pompöse Inszenierung wie man es von Popgrößen wie Lady Gaga oder Sabrina Carpenter kennt. Frontman Felix erklärt während dem Konzert sogar an mehreren Stellen, dass sie sich als Band lange davor gescheut haben in großen Hallen mit bestuhlten Rängen zu spielen. Denn ein Kraftklub-Konzert mit sitzendem Publikum entsprach nicht ihrer Vorstellung. Die Fans in München beschützen die Band auch vor diesem Szenario, denn ab Sekunde eins Stehen alle in den Rängen und lassen ihre Sitzplätze hinter sich – genau wie ich.
An dieser Stelle soll auch gesagt sein, dass Kraftklub sich nicht in einer verkünstelten Show verrennen. Bodenständig und nahbar, wie ich es seit jeher von der Band kenne, treten Steffen, Max, Karl, Till und Felix auch bei ihrer eigenen ausverkauften Show vor gut 15.000 auf. Dabei kann man aich natürlich auch die Frage stellen, wie sehr Kraftklub die Möglichkeiten einer Arena ausnutzen. Im Vergleich zu anderen Artists verzichtet die Band auf eine große Inzenierung – die braucht es aber auch gar nicht. Kraftklub fokussieren sich auf das was sie gut können, Stimmung, Randale und Bodenständigkeit, und präsentieren damit eine 1-A-Show. In München haben sie es mit ihrer Musik und ihrer nahbaren Art geschafft, ihre Authentizität zu bewahren und die Energie auf alle zu übertragen.
