Sultans Court mal ganz Up Close

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Sultans Court sollte für beständige Picky-Leser*innen auf jeden Fall ein Begriff sein. Die vier Jungs aus Berlin, gegründet auf einer Dockville-Mitfahrgelegenheit in 2014, etablieren sich mit ihrer ersten EP 2019 und ihrem eigenen Sound in der Berliner Indie-Szene. Picky Tim hat den Sound beschrieben mit rough, hart, dreckig und dabei trotzdem ästhetisch – Stand Juni 2019. Jetzt ist es Oktober 2020 und die vier Berliner haben eine neue EP am Start: Up Close. Und die werde ich mir jetzt (Achtung, angekündigter Wortwitz) ganz nah angucken.

Von From Afar zu Up Close

Nach der berüchtigten Kennenlern-Mitfahrgelegenheit vom Dockville hat sich nicht nur die Band zusammengefunden, sondern auch die erste EP From Afar. Und nun, knapp ein Jahr später, erreicht uns das Gegenstück Up Close. Die Erwartungen sind hoch.

Ich hatte mit meinem Berlin-Standort-Vorteil die Ehre, bei dem offiziellen Showcase der Sultans im Filter Office dabei zu sein und durfte mir den ersten (Live) Eindruck der EP verschaffen. Und der hat ein paar bleibende Spuren hinterlassen. Seitdem fieber ich auf das offizielle Release von Up Close hin und die Klangwelten, die die Jungs da wieder „mal einfach so“ erschaffen haben.

Good Enough eröffnet die EP theatralisch. Langgezogene Sirenen ziehen mich in den Song und bereiten den Aufbau vor. Versetzte Beats, Synthesizer, Julius Stimme, alles ist typisch Sultans Court und dann aber auch wieder komplett anders. Good Enough kreiert durch die Sirenen eine atmosphärische Stimmung und bricht diese mit einzeln gespielten Tönen eines Beat-Makers wieder auf (ich kenn mich nicht mit Musikequipment aus und hoffe, die Bezeichnung ist wenigstens nicht komplett falsch). Zwischen der theatralischen Untergangs-Atmosphäre der Strophe und des Refrains liegt wirklich nur dieser Beat in absoluter sonstiger Stille und ich bin ein bisschen schockverliebt.

Horror-Kurzfilm mit Twist

2020 war eine reine Achterbahnfahrt und Running ist der Soundtrack dazu. Mir fällt es nachwievor schwer, den Sound der Sultans mit Worten genau einzufangen, so vielschichtig und experimentell gestalten sie ihn. Ganz viel Synthesizer, sehr schöne Basslines, und Julius Stimme (ja, ich bin vielleicht ein kleiner Fan). Electronic-Indie á la Sultans Court. Die müsst ihr euch wirklich abspeichern, weil das ist einfach wahnsinnig gut. Und apropos wahnsinnig gut: Der Kurzfilm zu Running ist ebenfalls wahnsinnig gut, ihr könnt ihn euch hier angucken.

Next up is Warning Signs, der vom Sound her vielleicht am ehesten an die erste EP erinnert. Der knarrige Bass dürfte die Message hinter dem Song gut verdeutlichen:

„People of the solar system, your time is up to stop the fire”

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die hippe Gang von links nach rechts: Julius, Leander, Konstantin, Markus

Dieser Song ist an uns alle gerichtet, wie wir volle Fahrt voraus an allen Warning Signs (get it) vorbeirasen während die Erde brennt. Sultans Court sind für diese EP übrigens ins schöne Weserbergland in der Nähe von Kassel gereist. Ich hab da auch mal gewohnt und liebe diesen Fakt einfach und kann mir deshalb auch vorstellen, wie wütend man in so schöner Natur werden kann. Es ist wirklich Zeit was zu ändern, und wenn das jeder für sich selbst in seiner kleinen Bubble macht, ist damit schon so viel mehr getan, als man als einzelne Person denkt. Do your part.

Kann etwas verträumt und energetisch zugleich sein? Ja.

Run Over war eine Singleauskopplung, die bereits im Mai kam und sich direkt in auch in meine privaten Playlisten seitdem geschlichen hat. Sehr catchy und melodisch ist es ein perfekter Song für einen chilligen Abend mit Freunden. Lasst es einfach mal spielen und guckt, wie es ankommt. Chancen sollten sehr gut stehen. Auch Run Over hat mehrere Parts, die von den verschiedenen Einflüssen der Band zeugen. Nichts ist statisch, alles harmoniert auf eine komplexe Weise und ist trotz der Andersheit sehr zugänglich. Ich lieb’s.

Abschluss der Up Close EP bildet Sublime. Und was für ein schöner Abschluss. Die schnellen Trap-Sounds könnten auch in einem Underground Club spielen. Und tatsächlich – Sublime war schon länger Teil des Sultans Court Live-Set und hatte nun für die EP Zeit und Raum, sich selbst noch einmal zu entfalten.

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Die geht als top5 der schönsten Platten meiner Sammlung ein (Foto nicht ich, sondern Julius selbst)

Sultans Court sind ihrem verträumten und energetischen Sound treu geblieben. Up Close ist nicht nur das Gegenstück zu dem Vorgänger From Afar, sondern komplementiert in einer paradoxen Weise. Sultans Court sind sie selbst geblieben, haben auch ein bisschen mehr an diesem „Selbst“ gearbeitet und sich weiterentwickelt. Up Close ist ein Gesamtwerk, welches nur noch mehr auf ein Debütalbum hoffen lässt (kein Druck, Jungs).

Ich lasse jetzt diese EP noch einmal auf mich wirken und hoffe, ihr tut das Gleiche. Zeigt den Jungs euren Support, kauft die limitierte (!) unfassbar ästhetische Platte und vielleicht sehen wir uns dann, fingers crossed, auf dem nächsten Sultans Court Live-Gig.

Fotocredit: Jeanette Baer und Steve Glashier

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picky Anna

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