niiklas im Interview: „Ein Remix muss nicht zwingend ein „Umbauen“ des originalen Songs sein“

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Österreich kann was – das zeigt uns auch Produzent, Songwriter und Multi-Intrumentalist niiklas aka Niklas Pichler aus Wien. Aufmerksamen Pickymagazine-Lesern dürfte dieser Name bereits bekannt vorkommen – niiklas hat nämlich auch Kaltenkirchen’s Debütalbum produziert (und ist von mir dafür sehr gelobt worden). Im Interview mit Picky Jule quatscht niiklas über seine Inspirationen, seine Anfänge und Träume. Viel Spaß beim Lesen!

niiklas im Interview

Jule: Gestern ist dein Remix von Kaltenkirchen’s “Im Namen der Liebe” erschienen. Du bist als Drummer und Produzent ja selbst Teil von Kaltenkirchen – wie kamst du dazu, ausgerechnet diesen Song zu remixen? 

niiklas: Mich hat der Song tatsächlich auch während der Arbeit an Kaltenkirchens Debüt schon sehr angesprochen. Ich fand die Thematik und die Art und Weise, wie Philip dieses Gefühl textlich verarbeitet, extrem interessant. Aber schon damals dachte ich, dass die musikalische Umsetzung den Text nicht zu 100% in seiner Härte und Zerrissenheit widerspiegelt. Da spielt so viel Schmerz mit – und auch eine gewisse Ohnmacht, finde ich. Als mich Philip dann fragte, ob ich Lust hätte einen Remix zu machen, war ich natürlich Feuer und Flamme und hatte Bock, das umsetzen. 

Jule: Was hast du beim Produzieren des Remix’ anders gemacht als beim originalen Song?

niiklas: Der Unterschied zwischen Aufbauen und Umbauen mag vielleicht nicht groß erscheinen, aber die Perspektiven, die man dabei einnimmt, sind recht unterschiedlich – und man achtet dabei auf ganz verschiedene Dinge, mir geht es zumindest so. Ein Remix muss zwar nicht zwingend ein „Umbauen“ des originalen Songs sein, in dem Fall von Im Namen der Liebe trifft das meiner Empfindung nach aber ganz gut zu. Der komplette Remix besteht einzig aus der originalen Gesangsaufnahme, einem 2-sekündigen Synth-Sample (aus dem Original) und zwei von mir neu eingespielten Synthesizern. Ich würde sagen ungefähr 90% der verwendeten Sounds sind aus der Gesangsaufnahme heraus entstanden, die ich durch verschiedenste Effekte klanglich stark abgeändert habe.

Seit einigen Jahren verfolge ich auch den Produzenten Andrew Huang mit seiner „4 Producers 1 Sample“- Reihe auf YouTube. Dabei versuchen die teilnehmenden Produzenten meistens so viele originale Schnipsel wie möglich in ihrem Remix einfließen zu lassen. Und den Sound des Samples so zu bearbeiten, dass es im Endeffekt ganz unterschiedliche Funktionen erfüllt. Bei meinem Remix hab ich mich ganz bewusst von dieser Herangehensweise inspirieren lassen. 

Daas Leeben dees niiklas

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Jule: Wie bist du denn eigentlich zur Musik gekommen? Bist du damit aufgewachsen oder hat sich das Interesse von selbst entwickelt?

niiklas: Als ich ungefähr 9 Jahre alt war hat meine Mama vorgeschlagen, dass ich doch mal ein Instrument lernen soll. Schlagzeug, meine erste Wahl, war zu laut, dann ist es die Gitarre geworden. Zwar anfangs nicht wirklich motiviert aber von der Musik schwer begeistert, bin ich schließlich mit 14 Jahren in einem Frühstudium für Konzertgitarre in Linz gelandet. Dort war meine Ausbildung an klassischer Musik orientiert, mein Interesse galt aber immer mehr der (alternativen) Popularmusik. Deine „Entweder-Oder“- Frage kann ich super schwer beantworten, es war glaube ich einfach eine gute Mischung aus beidem – ich habe viele coole Eindrücke und Möglichkeiten von Zuhause mitbekommen und mich selber auch immer tiefer hineingefuchst. Ich bin zwar (noch) der einzige Musiker in meiner Familie, ohne ihren wahnsinnigen Support wäre ich das aber sicher nicht geworden. 

Jule: Du warst und bist ja Teil einiger Bands und Projeke und jetzt eben auf Solopfaden. Ist das eine Art Befreiungsschlag oder aus den eingeschränkten Möglichkeiten der letzten Wochen entstanden?

niiklas: Der Wunsch danach ist eigentlich schon eine ganze Zeit lang in meinem Kopf. Da war es nur noch eine Frage des Zeitpunktes. Gerade fühlt es sich einfach richtig an damit raus zu gehen und wieder Musik zu veröffentlichen. 

Jule: Für welche*n Künstler*in oder Band würdest du gerne mal Songs produzieren? Kann auch ruhig ein utopischer Wunsch sein ;D

niiklas: Wenn ich jetzt tatsächlich die Wahl hätte, würde ich mir wahrscheinlich eine Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ex:Re, Biig Piig oder Gotye wünschen. Wenns um geile Popmusik geht, dann wahrscheinlich auch Sigrid, AURORA oder Labrinth. Sind zwar alles sehr unterschiedliche Richtungen, fände ich aber richtig interessant. Man darf ja noch träumen…

Jule: Was können wir in Zukunft von dir als niiklas erwarten, sind weitere Releases geplant?

niiklas: Ja, ich hab da schon noch so einiges vor in nächster Zeit. Über den Sommer werde ich jetzt kontinuierlich Songs meiner EP into the sea veröffentlichen, auf der ich vermehrt mit elektronischer Musik arbeite und mich mit dem Thema Angst auseinandersetze. Im Herbst kommt dann auch noch eine Beat-EP von mir. Aber zu viel möchte ich jetzt noch nicht verraten – es kommt auf jeden Fall noch so einiges 🙂

Team Gärtnern oder Team Kochen?

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Jule: Wie hast du denn die letzte Zeit so verbracht? Einige haben während Corona völlig neue Seiten an sich kennengelernt haben, vom grünen Daumen bis zum Kochlöffel. Gibts bei dir auch ein neu entdecktes Talent?

niiklas: In meinem Freundeskreis hat sich das so ein bisschen aufgeteilt – die einen haben angefangen übertrieben viel Sport zu machen und die anderen haben täglich Luxusmenüs zubereitet. Ich bin auf jeden Fall auch im „team cooking“. In meiner WG haben wir unsere Gaumen jeden Abend mit einem neuen Gericht überrascht. Das war sehr schön mit anzusehen, wie wirklich alles sowohl gute als auch schlechte Seiten hat. Es war schon schön mal Zeit für Dinge zu haben, die man sich normalerweise nicht nehmen würden. 

Jule: In Zeiten von Isolation und Quarantäne wurde ja zum Glück auch viel Musik gehört. Hast du ein paar musikalische Empfehlungen auf Lager, vielleicht auch Releases, die du gefeiert hast?

niiklas: Ich bin bestimmt etwas spät dran damit, aber für mich war während der Quarantäne Oliver Tree ein richtiger Mood-Lift! Und, zwar auch nicht brandneu aber dennoch, ich hab wieder mal recht viel Lucy Dacus gehört. 

Jule: Natürlich bekommst auch du am Ende des Interviews einen Blank Space. Du kannst jetzt loswerden, was immer du möchtest:

niiklas: Um mir selber jetzt keine bedeutungsschwangeren Abschlussworte einfallen lassen zu müssen, zitiere ich einfach Captain Disillusion: „LOVE WITH YOUR HEART, USE YOUR HEAD FOR EVERYTHING ELSE!“

Und natürlich folgt hier jetzt niiklas‘ Remix von Im Namen der Liebe, enjoy it:

Fotocredits: Valeria Romme

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picky Jule

Aloha, ich bin Jule und ziemlich picky. Und genau deswegen berichte ich hier mit viel Liebe über die Musik deines zukünftigen Lieblingskünstlers. Fasziniert, leidenschaftlich und immer frei raus :) #sendnoods