MorMor – Zwischen leisen Sounds und wildem Gezappel

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MorMor aus Kanada erwies Berlin die Ehre und kam für eine Show in die Berghain-Kantine. Im Gepäck hatte er den Australier Mk.Gee. Den ganzen Konzertbericht von Picky Jule liest du hier!

Im Mai 2019 veröffentlichte der Kanadier Seth Nyquist, wie MorMor mit bürgerlichem Namen heißt, seine dritte EP namens Some Place Else. Auf seiner angeschlossenen Tour zur EP machte er auch Halt in der Berliner Kantine am Berghain und dank der lieben Leute vom Melt! Booking durfte ich das Konzert besuchen. Ich kannte MorMor bisher noch nicht, bis auf ein kurzes Reinhören auf der Streaming-Plattform meines Vertrauens war ich also unvoreingenommen as hell.

Bevor es los geht: Shout out an den lieben Mann vom Ton, der während meines Streifzuges durch die Menge meine Jacke bewacht hat, das war sau nett! (langsamen Fade In von We Are The World einspielen)

Mk.Gee eröffnet den Abend und ich bin sofort hin und weg

Liebe Leute, die ihr bewusst erst nach der Vorband in die Locations kommt: Das ist wirklich gar nicht mal so schlau! Ich verspreche euch, dass ihr tolle Künstler verpasst, die sich im Übrigen auch richtig doll über euer frühes Kommen freuen. 😉

Nun also zu Mk.Gee, der den Abend freudestrahlend (siehe oben) vor einer bereits ordentlich gefüllten Kantine eröffnet. Ab der ersten Sekunde des Sets knallt mir einfach die pure Energie ins Gesicht. Ein paar Songs von ihm kannte ich bereits, aber omg… Ich war absolut nicht darauf vorbereitet, dass das live so nice klingen würde. Triff mich daher safe in der ersten Reihe, wenn Mk.Gee das nächste Mal in Berlin spielt!

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Mk.Gee gibt alles

Achtung, Verletzungsgefahr in Reihe 4!

Nach einer Zigarettenpause und kurz bevor MorMor mit seiner Band die Bühne betritt, verabschiede ich mich vom Tonmann (also gedanklich jedenfalls) und mache mich erfolgreich auf die Reise zu einem der vorderen Plätze. Kaum angekommen, betritt MorMor zusammen mit einem Drummer und einem Multiinstrumentalisten die Bühne und dann geht’s los, Licht aus, Musik an.

Das überwiegend englischsprachige Publikum fühlt es von Anfang an richtig doll – selbst bei den ersten, noch ruhigeren Songs wird von den wenigen Singles neben mir wild getanzt und ich frage mich kurz, ob wir die selbe Musik hören. Als dann das erste Lied mit mehr als 60 bpm gespielt wird, ist es um die kleine Mexikanerin vor mir dann komplett geschehen. Ich fühle mich kurz wie der Typ aus Matrix, als ich ihren fliegenden, langen Haaren ausweiche, um nicht zu erblinden. Mir fehlte nur noch die Sonnenbrille…

Ballade meets Rave: Still a better lovestory…

Es wird aber nicht nur vor mir, sondern erst recht auf der Bühne ordentlich abgeliefert: MorMors engelsgleiche Stimme tönt vollmundig durch die Kantine und ich bemerke, was für einen guten Job mein neuer Kumpel vom Ton macht. Es ist wirklich alles super aufeinander abgestimmt – die Instrumente ballern einem nicht das Hirn weg und auch der leichte Halleffekt auf dem Mikro ist zauberhaft! Trotz des guten Sounds ist die Kommunikation von MorMor mit dem Publikum (meiner Meinung nach: leider) überschaubar – er stellt lediglich einmal die Band vor und bedankt sich (dafür aber sehr liebevoll) bei Mk.Gee.

Don’t get me wrong – ich freue mich, wenn ihr neben mir auch eine gute Zeit habt, aber nach dem fünften Song wird mir das (echt unpassende) Gezappel um mich herum zu anstrengend und ich entschließe mich, das restliche Konzert wieder von weiter hinten zu genießen. Und zum Glück geht es hier auch tatsächlich etwas gesitteter zu. Eventuelle Begründung: Je weiter ich nach hinten gehe, desto reifer wird auch das Publikum. Zwischen 18 und 50 Jahren ist hier alles vertreten, find ich super spannend.

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Ein Konzert aus der Perspektive von alten Leuten (geliehen vom MOMA)

MorMor verschwindet und wo geht ihr alle hin?

Am Platz meiner Wahl angekommen freue ich mich also darauf, noch ein paar Songs in Schunkelatmosphäre zu genießen, da macht mir MorMor nach zwei weiteren Songs eiskalt einen Strich durch die Rechnung:

Er haucht „Good Night Berlin!“ ins Mikrofon und das Publikum… dreht sich geschlossen um und geht? Äh, was? Warum verlangt hier keiner eine Zugabe? „Good Night Berlin“ bedeutet doch nicht „Rennt um euer Leben“? Leute? Hallo? Wo… geht ihr denn hin? Ich suche nach den vertrauten Augen des Tonmanns, aber der ist geistig auch schon zu Hause. Das Konzert ist dann jetzt also vorbei. Einfach so. Das habe ich auch noch nie erlebt. Ich bin perplex, absolut perplex.

Das FaFazit zum MorMor KoKonzert

Leider hatte ich ein wenig „Pech“ mit den Leuten um mich herum, die mein persönliches Konzerterlebnis etwas gestört haben. Ich werde also beim nächsten MorMor-Konzert wieder aufkreuzen – alleine schon um der Band die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient hat. Und wer weiß, vielleicht fühle ich bis dahin den Sound von MorMor genauso wie es die kleine Mexikanerin getan hat und dann schreibt jemand darüber, dass er sich meine Haare aus den Zähnen fummeln musste… 😊 Vielleicht nehme ich beim nächsten Mal aber auch einfach Helm und Nagelkissen mit oder esse vorher Zwiebelsuppe und mache den Transpiranten, dann hab ich auch meine Ruhe.

Soundtechnisch und qualitativ war die Darbietung von MorMor (und obviously auch von Mk.Gee) aber wirklich spitze. Sehr energetisch, die allgemeine Stimmung trotzdem super intim und die Songs einfach toll zu Ende gedacht. Besonders im Ohr geblieben sind mir Whatever Comes to Mind und Won’t Let You – die es im Übrigen auch auf meine private Playlist geschafft haben. Von daher gibt es für beide Acts eine absolute Hör-mal-rein- und Geh-mal-hin-Empfehlung!

Und hier noch ein Trostpreis für alle, die das Konzert verpasst haben: 

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picky Jule

Aloha, ich bin Jule und ziemlich picky. Und genau deswegen schreibe ich ab sofort mit viel Liebe über die Musik, der ich aktuell verfallen bin. Leidenschaftlich, fasziniert und immer frei raus :)