Matija im Interview: „Das Album soll in die Charts kommen“

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Mit „byebyeskiesofyesterday“ veröffentlichen die Münchener Indie-Darlings von Matija heute ihr langersehntes zweites Album und zeigen sich damit von einer musikalisch neuen Seite. Picky Jule hat vorab mit Frontmann und Bandnamensgeber Matija über ihre Entwicklung, Musikvideos und natürlich das Album selbst gequatscht. Das (ganz schön) ausführliche Interview lest ihr jetzt.

Matija im Interview

Jule: Erstmal voll auf Anfang: Mal angenommen, jemand kennt euch und eure Musik nicht und fragt, wie ihr klingt, was ihr macht, wer ihr seid. Was würdet ihr antworten?

Matija: Wir würden wahrscheinlich antworten, dass wir eine Indie-Alternative-Pop-Band aus München sind, die sich sowohl an alter als auch neuer Musik bedient und daraus eine ungewöhnliche Mischung aus Bands wie Radiohead, Foals und Casabian gemischt mit modernen Hip Hop-Einflüssen wie von Kendrick Lamar oder Solange erzeugt.

Jule: Heute erscheint euer zweites Album „byebyeskiesofyesterday“. Bevor wir da näher drauf eingehen, erstmal zum Offensichtlichen: Sowohl der Album- als auch die Songtitel werden komplett zusammengeschrieben. Hat das eine besondere Bedeutung?

Matija: Es ist zufällig passiert. Ich habe den Albumtitel eher gefunden als erfunden. Er ist irgendwie vom Himmel gefallen als ich einen Spaziergang durch den Nymphenburger Schloßpark in München gemacht habe. Ich stand auf einer Brücke, habe hochgeguckt und dann war der Titel einfach plötzlich in meinem Kopf. Ich habe ihn dann ganz schnell in mein Handy geschrieben und war dabei so begeistert, dass ich irgendwie die Leerzeichen vergessen habe. Dann habe ich später nochmal draufgeguckt und im Studio dann vorgeschlagen, auch die Songtitel zusammenzuschreiben, um eine gewisse Kontinuität und ein kleines Konzept reinzubekommen.

„Es war ganz anders als beim ersten Album“

Jule: Wie lange habt ihr denn an den Songs fürs Album gearbeitet bzw. wie lief der Albumprozess bei euch als Band ab?

Matija: Das kann ich natürlich noch nicht so generalisiert sagen, weil es ja erst unser zweites Album ist. Es hat aber insgesamt so 2,5 Jahre gedauert, bis es fertig war. Die Songs auf dem Album sind sowohl einige Monate, als auch teilweise schon 3 oder 4 Jahre alt. Da ist ganz viel verschiedenes Material dabei, was unglaublich viele Metamorphosen durchlaufen und sich oft verändert hat. Es ist auf jeden Fall ganz anders gewesen als beim ersten Album. Das haben wir zusammen als Band geschrieben und in 1,5 Wochen live im Studio in Hamburg aufgenommen. „byebyeskiesofyesterday“ haben wir gemeinsam geschrieben und dann Stück für Stück aufgenommen. Manche Songs haben wir beispielsweise in Italien aufgenommen und die Audiospuren dann mitgebracht.

Jule: Ich höre auf jeden Fall auch, dass die Songs im Vergleich zum ersten Album anders sind. Ihr klingt jetzt nachdenklicher, vielleicht auch ein Stück ernster. War das eine natürliche Entwicklung oder ein geplantes Konzept?

Matija: Wir haben uns natürlich schon verändert über die letzten Jahre. Wir sind einfach erwachsener geworden, glaube ich. Es sind uns als Individuen und auch als Band viele Dinge passiert, positive und negative. Wir haben krasse Krisen durchlaufen, in einer davon befindet sich ja auch gerade die ganze Welt. All diese Sachen haben den Ernst des Lebens geändert und eben auch die Art, wie unsere Songs klingen. Wir behandeln auf dem Album schon schwere Themen, die uns persönlich passiert sind oder die wir verarbeitet haben. Das erste Album war geprägt von einem sehr jungen Aufbrechergeist, durch eine angenehme Naivität und die Lebenslust eines ersten Albums. „byebyeskiesofyesterday“ hat einfach mehr von diesem Realistischen. Es ist auch von den Texten her einfach nahbarer.

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Jule: Ich finde auch, dass ihr nicht nur textlich, sondern auch vom Sound her einen riesengroßen Schritt gemacht habt. Das erste Album könnte man schon als „klassischen Indie“ bezeichnen. Für das zweite Album habe ich noch keine passenden Worte, aber ich höre jetzt etwas völlig Eigenes. Würdest du sagen, dass ihr mit dem zweiten Album näher an euren eigenen Sound gekommen seid?

Matija: Erstmal vielen Dank für das Kompliment, das freut mich sehr zu hören. Wir haben uns auf jeden Fall sehr viel Zeit genommen, jede einzelne Note, jeden Schlag, jeden Synthesizer dreimal umzudrehen und den für uns perfekten Sound zu finden. Wir haben uns viel damit beschäftigt, wie Klaviere klingen können, was für unterschiedliche Aufnahme-Arten es gibt. Was kann man mit E-Gitarren machen, wenn man sie einfach nur in ein Mischpult steckt oder durch einen alten Lautsprecher feuert. Dieses Album trägt viel mehr unsere eigene Handschrift. Auch weil unser Gitarrist Jan viel vorproduziert hat, was dann meisterhaft von unserem Produzenten Willy Löster in shape gebracht wurde. Wir waren einfach mehr an der Soundfindung beteiligt. Während wir beim ersten Album das Glück hatten, mit Johann Scheerer einen wahnsinnig guten Produzenten zu haben, der unsere damaligen Songs perfekt verstanden und nach seinem Klangbild super gut produziert und aufgenommen hat.

„Wir sind wirklich sehr stolz auf unser neues Baby“

Jule: Ich weiß, das ist immer super schwer, aber gibt es für dich einen Lieblingssong vom Album oder einen, der dir besonders viel bedeutet?

Matija: Hmm. Mein persönlicher Lieblingssong ist entweder „awaytosurvive“ oder “reanalyser“. Weil das zwei Nummern sind, die mir mit meinem persönlichen Musikgeschmack als Hörer einfach unglaublich gut gefallen. Der Song, bei dem ich auf uns als Band am stolzesten bin, ist allerdings „saddaysinthecity“, weil ich den richtig stark finde und denke, dass der uns als Band auch weiterbringen wird. Aber natürlich mag ich alle Songs sehr gerne. Wir sind wirklich sehr stolz auf unser neues Baby.

Jule: Du hast vor einigen Jahren mal gesagt, dass Lana Del Rey eine große Inspiration für euch ist. Kann es sein, dass sich das bis heute nicht geändert hat? Es gibt so einige Momente auf dem Album, die mich stark an ihren Sound erinnern.

Matija: (lacht) Ja voll, Lana Del Rey ist immer noch eine große Wegbegleiterin. Ihre Musik ist für mich einfach, und ich glaube auch für den Rest der Band, das perfekte Beispiel von einer Realitätsflucht, aber irgendwie auch einer wunderschönen Melancholie. Ich sage immer „von den Meistern muss man lernen“ und Lana Del Rey ist eben genau so eine Meisterin dieser Art Songs zu schreiben. Songs, in denen gesagt wird, dass das Leben eben diese bittersüße traurige Note hat, aber eigentlich ist es auch ganz schön, dass es so ist und dass man Schmerz und Reue und Melancholie empfindet. Das in einen Popsong zu packen macht einfach Spaß und ich finde, sie macht das ganz großartig. Auf jeden Fall haben wir uns da auch einige Sachen abgeschaut, ja.

„Wir sind weniger auf dieser metaphorischen Ebene unterwegs“

Jule: Es gibt auf „byebyeskiesofyesterday“ ja auch Songs, die eine wirklich unmissverständliche Wortwahl nutzen. Songs, in die man nicht so viel rein interpretieren kann oder muss, weil ihr euch ziemlich klar ausdrückt – was auf dem ersten Album vielleicht nicht unbedingt so war.

Matija: Völlig korrekt. Wir sind weniger auf der metaphorischen Ebene unterwegs als auf dem ersten Album. Da fanden Texte statt, die viel Platz zur Interpretation lassen. Auf der zweiten Platte geht es einfach um Dinge, die uns aufgefallen oder passiert sind. Und wir haben versucht, das in den Texten auch 1 zu 1 so darzustellen. Wie in „absolutlynothing(today)“, wo wir verstanden haben, dass ein Tag, an dem du absolut gar nix hinbekommst, trotzdem ein guter Tag ist. Diese Dinge waren für mich einfach nicht mehr in Metaphern auszudrücken. Oder auch „awaytosurvive“, wo wir wortwörtlich übersetzt sagen: „Ich habe einen Weg gefunden, um zu überleben“. Dieses Album wird getragen von ehrlichen Emotionen und Erkenntnissen, die unverblümt genauso dargestellt werden. Während auf dem ersten Album auch die Suche nach uns selbst eine große Rolle gespielt hat. Ich war als Texter damals in so vielen Sphären gleichzeitig unterwegs, dass ich dem Zuhörer den Spielraum zur Interpretation auch einfach geben wollte.

Jule: Ein wichtiger Faktor sind ja auch die Musikvideos. Die, die ihr bisher zu den Singles veröffentlicht habt, sind auch von der Bildsprache her ziemlich stark. Und haben sich zu denen in der Vergangenheit auch weiterentwickelt. Wie wichtig sind euch die Videos?

Matija: Uns sind die Videos sehr wichtig, sie sind auch meistens mit denselben Leuten entstanden. Wir sind große Fans der Bildsprache von saymyname oder auch von unserem Lichtmischer Lenny Heidtmann, der auch eine eigene Filmproduktionsfirma hat. Wir machen uns als Band schon ziemlich früh Gedanken darum, was im Video passieren könnte. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Musikvideos heutzutage noch so eine große Rolle spielen. In der Musikindustrie hat sich auf jeden Fall verändert, dass man dafür nicht mehr so viel Geld ausgibt. Während in den 80ern halt teilweise 1 Mio. Dollar für eine große Produktion ausgegeben wurden. Vielleicht auch, weil die Aufmerksamkeitsspanne der Leute sehr kurz geworden ist und viel über Streaming funktioniert. Aber ich glaube immer noch, dass das für Fans wichtig ist, dass es tolle Musikvideos gibt. Um den Song auch auf dieser zweiten Ebene erleben zu dürfen und besser verstehen zu können, was die Künstler*innen sagen möchten. Oder auch um sich in der eigenen audiovisuellen Konzeption bestätigt zu fühlen oder einen neuen Aspekt des Songs zu entdecken.

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Jule: War das beim ersten Album auch schon so, dass ihr euch so viele Gedanken um eure Videos gemacht habt?

Matija: Nee, eben nicht. „Song For Celine“ und „White Socks“ sind Auftragsarbeiten. Die Songs wurden an eine Produktionsfirma gegeben, die sich ein Konzept ausgedacht und ausgeführt hat. Da hatten wir nicht so viel mit dem Skript zu tun. Bei „Justify Your Love“ hatte ich zum ersten Mal eine ganz klare Vision für das Video. Ich wollte bzw. musste dafür nach Paris und der Rest der Band hat gesagt „go for it, mach es!“. Dann habe ich das Drehbuch geschrieben und wir haben das umgesetzt. Damit fing dieser Trend an. Ab dem Video zu „The Calling“ ging es dann richtig damit los, dass wir uns mit den Leuten hingesetzt und zusammen überlegt haben, was in den Videos passieren soll. Das hat für uns sehr gut funktioniert, gerade auch bei den zuletzt erschienenen Videos.

„Ich will, dass das Album in die Charts kommt“

Jule: Wenn du dir für das Album was wünschen darfst, was wäre es?

Matija: Darf ich eine richtig dumme Antwort darauf geben? Ich will, dass das Album in die Charts kommt (lacht). Es ist total beknackt, aber es ist tatsächlich so ein Kindheitstraum von mir, ein Album in den Charts zu haben. Und ich weiß, dass das mit der Musik die wir machen, aktuell in Deutschland sehr schwer ist, weil eben Leute wie Apache 207 oder Capital Bra die neue Messlatte für die Charts sind. Aber ich hoffe einfach, dass „byebyeskiesofyesterday“ es, aus welchem verrückten Grund auch immer, schafft, und wenn es nur Platz 90 ist, in den deutschen Albumcharts einzusteigen. Das fände ich so super (lacht).

Jule: Weißt du was ich mir wünschen würde? Daran habe ich gedacht, seit ich den Song das erste Mal gehört habe: Eine Orchesterversion von „inlovewithamurderer“. Der ist nicht nur vom Sound, sondern auch von den Lyrics her wirklich… doll.

Matija: Ohhh ja, darüber haben wir tatsächlich auch schon nachgedacht. Das Ende bietet sich total dafür an, das stimmt. Der ganze Song ist auch ziemlich orchestral. Der Film „Leon der Profi“ war übrigens die Grundlage für diesen Song. Das ist mein absoluter Lieblingsfilm, den ich bestimmt schon 20 Mal gesehen habe. Wir sind aber tatsächlich nicht die einzigen, die sich von diesem Film haben inspirieren lassen – „Matilda“ vom ersten Album von alt-J oder auch „Shape Of My Heart“ von Sting ebenfalls.

Jule: Dann kommen wir jetzt zum Ende des Interveris und zu unserem berühmten blank space, bei dem du alles rauslassen kannst, was meine Fragen vielleicht nicht hergegeben haben.

Matija: Also, zunächst würden wir uns natürlich freuen, wenn ihr alle zu unserer Tour Anfang 2021 kommt. Es gibt 18 Termine und wir hoffen sehr, dass die stattfinden können. Und ich möchte ein Rezept aus Ottolenghi’s Buch Flavour empfehlen. Das ist ein Rezept für süß-saure Zwiebeln, die man mit der Unterseite in eine sehr heiße Pfanne legt, so dass die Zwiebeln komplett verbrennen und schwarz werden. Danach packt man die in den Ofen und kocht in einem Topf Granatapfelsaft auf, bis der sirupartig wird und bereitet eine kleine Schale mit Olivenöl und diversen Kräutern vor. Dann gibt man den Granatapfelsirup in eine große Schale, holt die Zwiebeln aus dem Ofen und legt die einzeln dort rein. Dann noch das Kräuteröl und Ziegenkäse drüber geben und schon hat man eine wunderbare Vorspeise, die sehr lecker und gesund ist.

Jule: Hui, in letzter Zeit beende ich Interviews immer mit knurrendem Magen… Mir bleibt dann jetzt eigentlich nur noch, euch die Daumen für die Chartplatzierung zu drücken und einen tollen release day zu wünschen. Vielen Dank für das tolle Gespräch!


Tickets für die Anfang 2021 geplante Tour bekommt ihr übrigens hier. Und das heute erschienene Album „byebyeskiesofyesterday“ von Matija könnt ihr euch direkt unten anhören:

Fotocredit: Hieronymus Josh

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picky Jule

Aloha, ich bin Jule und ziemlich picky. Und genau deswegen berichte ich hier mit viel Liebe über die Musik deines zukünftigen Lieblingskünstlers. Fasziniert, leidenschaftlich und immer frei raus :) #sendnoods

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