HYMMJ im Auster-Club: Von Hypnose zu Extase

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Nachdem sich die Berliner Jungs von HYMMJ seit Sommer 2019 im Studio eingeschlossen haben, ging es nun mal wieder auf die Bühne. Gemeinsam mit den ebenfalls aus Berlin stammenden Jungs von RAW KIDS wurde in den Auster-Club geladen. Getreu dem Motto „support your local“ hat sich Picky Jule das natürlich nicht zweimal sagen lassen. Wie der Abend war, erfährst du jetzt im Konzertbericht. Viel Spaß!

In der Szene haben sich HYMMJ inzwischen einen echten Namen gemacht. Ich habe die Jungs das erste Mal 2018 als Support für Cassia live gesehen. Seitdem haben sie einen festen Platz in meiner Playlist. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich die Tour-Ankündigung gelesen habe. Und dann durfte ich tatsächlich dabei sein – lieben Dank an sequenza.agency!

RAW KIDS eröffnen den Abend

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Ich kannte RAW KIDS (bis vor Kurzem noch: PeachyKeen), bisher nicht. Das Quartett betritt in weißen bzw. roten Blaumännern die Bühne. Nur der Drummer trägt vorsorglich obenrum nichts. Dafür untenrum eine Boxershorts (nicht wie Marcus Schenkenberg, sondern wie Henry Maske). Musikalisch lassen sich RAW KIDS der straighten Gitarren-Musik, die gerne auch mal ins Punkige abdriftet, einordnen. Leider ist der Ton anfänglich echt fürchterlich. Da hat entweder jemand beim Soundcheck gepennt oder ist auf dem Mischpult ausgerutscht. Merkt die Band natürlich auch – Sänger Julio versucht während des Gigs den Tonmann mit Händen und Füßen einzuweisen. Die letzten drei Songs klingen dann zum Glück besser. Ist natürlich trotzdem sau schade für einen Support-Act, der sowieso nur begrenzt Zeit hat, wenn die Hälfte des Sets unangenehm schrammelt. An dem Auftritt der RAW KIDS war sonst aber echt nichts auszusetzen. Sah auch das Publikum so, das die Jungs von Anfang an ordentlich gefeiert hat.

Stimmungsvoller Auftritt von HYMMJ

Der Auster-Club ist ausverkauft und das merkt man auch. Als HYMMJ (übrigens ein Akronym für Have You Met Miss Jones) die Bühne betreten, rückt das sowieso schon maximal gut gelaunte Publikum näher zusammen. Es kann also losgehen:

Die Stimmung, die HYMMJ ab der ersten Sekunde verbreiten, ist ganz schwer in Worte zu fassen. Sänger und Gitarrist Sönke wirkt immer irgendwie unnahbar. Die Mimik ist versteinert, als sei er gerade verhext worden. Mich fesselt er damit aber total. Der Joaquin Phoenix der Indie-Musik. Im nächsten Moment fühlt man sich ihm und der restlichen Band dann aber wieder sehr nah. Denn auch den durchaus wichtigen Augenkontakt mit dem Publikum beherrschen sie exzellent. Mit Blicken, die einen förmlich durchbohren. Versteht mich nicht falsch, ich meine das überhaupt nicht negativ, ich bin eher fasziniert. Denn nicht nur nur der Sound, auch die Aura der Jungs ist offensichtlich hypnotisierend. Als dann noch die Nebelmaschine angeschmissen wird, ist die Atmosphäre schon fast klischeehaft.

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Aber nicht nur die Stimmung zu beschreiben ist schwierig. Auch ist es mir selten schwerer gefallen, einen Sound in Worte zu packen. HYMMJ können sowohl klassischen Indie, driften aber auch gerne in psychedelische Sounds ab, um danach heftige Alternative-Rock-Riffs abzuliefern. Da ist wirklich für jeden Geschmack was dabei.

Neben den neuen kriegen wir auch ältere Kreationen von HYMMJ zu hören. Sowohl Songs von der 2017 erschienen EP A Potential Cause For Rain als auch von der im April 2019 erschienen EP Nobody Can See Us, über die Picky Tim übrigens eine Review geschrieben hat, spielen sie für uns. Und Berlin zeigt sich mal wieder von seiner absolut textsicheren Seite, u.a. werden Perfume, Oasis oder auch Magnetic Heart lauthals mitgegröhlt – und da lächelt sogar Sänger Sönke mal ausgiebig, wie schön. Die neuen HYMMJ-Songs werden vom Publikum übrigens ziemlich gut aufgenommen. Es wird, wie eigentlich den ganzen Abend über, ausgiebig und ausschweifend getanzt.

HYMMJ selbst liefern unfassbar gut ab. Die anfänglichen Sound-Struggles der RAW KIDS sind zum Glück Geschichte. Ganz clean und unaufgeregt machen die Jungs das, was sie eben am besten können. Auch wenn ich ihn aufgrund unglücklich platzierter Boxen nicht richtig sehen kann – HYMMJ-Drummer Max macht heute Abend einen hörbar guten Job. Mir ist übrigens auch das Licht auf der Bühne positiv aufgefallen. Mega easy, einfach ein paar Leuchtstoffröhren aufgestellt. Die sind zwar auch hell und blinken und haben irre Farbwechsel. Aber als Konzertbesucher vor der Bühne erblindest du mit diesen Lichtern nicht direkt, wie geil isses?

HYRMR? (Have you read my Rückblick?)

Im Vergleich zu vor zwei Jahren, als ich HYMMJ wie gesagt als Vorband gesehen habe, hat hier eine riesige Entwicklung stattgefunden. 2018 noch etwas zurückhaltender, haben sie inzwischen eine einzigartige Bühnenpräsenz. Sie ziehen mich mit ihren sphärischen Klängen in den Bann. Ich schließe meine Augen und schunkel mit, um kurze Zeit später laut mitzusingen und zu tanzen. Ich finde es toll, wie kompromisslos auch das Publikum mitgemacht hat. Allerdings wäre es noch schöner gewesen, wenn man in den ruhigen Momenten auf der Bühne auch mal die Klappe gehalten hätte. Nevertheless, das Konzert war trotzdem wirklich schön. Sollten HYMMJ mal in eurer Nähe spielen, dann geht da unbedingt hin. Zum Beispiel am 04.03. in Hamburg, am 05.03. in Köln oder am 06.03. in Hannover. Ihr werdet es nicht bereuen und vielleicht auch meine kläglichen Beschreibungsversuche besser verstehen. 😀

Und bis ihr HYMMJ selbst live feiert, gibt’s zur Einstimmung hier noch eine Live-Version von Magnetic Heart:

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picky Jule

Aloha, ich bin Jule und ziemlich picky. Und genau deswegen berichte ich hier mit viel Liebe über die Musik deines zukünftigen Lieblingskünstlers. Fasziniert, leidenschaftlich und immer frei raus :) #sendnoods