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Cinemagraph im Interview: „Es ist schwierig Inspiration zu finden, wenn sich so wenig bewegt.“

Cinemagraph im Interview: Über töpfern, neue Musik, einen festivallosen Sommer und Koffeinkaugummis.

Die vier Jungs von Cinemagraph aus Mannheim dürften nicht nur PickyMagazine-Liebhabern inzwischen ein Begriff sein! Wer dennoch keinen blassen Schimmer hat: Für mich sind Cinemagraph das was rauskommt, wenn man eine leichte Sommerbrise, ein Lagerfeuer im Sonnenuntergang und das Gefühl von Urlaub in eine Box packt.

Erst mal zum Anfang: Ich hab vorher ein bisschen recherchiert, was wir auf Pickymagazine denn schon alles über euch geschrieben hatten, und einen Artikel von Anfang letzten Jahres gefunden. Tim hat da geschrieben: „Dann war es auch schon Zeit für Cinemagraph, eine junge Band aus Mannheim, die echt schon das You know we are indie because we look like it-Paket haben.“. Ich musste so lachen, weil es mir ganz genauso ging als ich euch zum ersten Mal live gesehen hab. Ich kannte eure Gesichter zwar nicht, aber als ihr vier an mir vorbeigelaufen seid wusste ich sofort „das müssen die Jungs von Cinemagraph sein“.

(alle lachen)

Okay, jetzt aber zum Interviewteil: Wo seid ihr gerade? Wie geht’s euch?

Wir sind bei Paul in der Wohnung. Wir haben die Quarantäne relativ strikt durchgezogen bis zu diesem Punkt. Haben jetzt aber gemerkt, dass für uns halt nicht in Frage kommt, so lange keine Musik zusammen zu machen. Und jetzt sehen wir uns zum ersten Mal wieder, seit mehreren Wochen.

Wie verbringt ihr dann eure Zeit?

Leon: Also ich hab‘ angefangen zu sticken!

Max: Ich hab‘ angefangen zu töpfern, mit meiner Schwester!

Paul: Was ist denn los mit euch? (alle lachen) Hast du so’n Stickteil hier?

Leon: Nee, leider daheim.

Advan: Paul und ich haben angefangen zu malen!

Paul: Wir haben uns beide so’ne Staffelei gekauft und geben jetzt richtig Gas!

Advan: Genau!

Na dann! …Erst mal auf zu musikalischen Themen: Und zwar habt ihr in eurer Instagram Story einen unreleased Cinemagraph Song geteasert… Könnt/Dürft ihr darüber schon sprechen? Wann wir da etwas zu hören bekommen?

Wir können da leider noch nicht so viel dazu sagen. Es war alles ein bisschen anders geplant dieses Jahr, und durch diese ganze Corona-Nummer ist natürlich auch die Frage, wann wir denn überhaupt ins Studio können. Deswegen wissen wir auch nicht, wann der Rest aufgenommen wird, von dem was wir da so geplant haben. Und deswegen können wir auch noch nichts dazu sagen, wann die Single rauskommt. Aber wenn es dann soweit ist……. Wir freuen uns schon mega! Wir haben RICHTIG Bock, den Song zu zeigen.

(irgendwer ruft:) HALT WARTE MAL KURZ!

(Ich, bin sichtlich verwirrt)

Paul: Advan hat sich grad nen Kaugummi eingeworfen, er konnte es nicht lassen. Das ist so n Koffeinkaugummi, richtig eklig!

Advan: NOCH ist es nicht scheiße, aber vielleicht wird’s das gleich…

Paul: Also wenn er gleich spucken gehen muss…

Mich kann’s ja nicht treffen (lacht). Was mich aber auf jeden Fall noch interessiert: Als ich euch letztes Jahr in Ulm auf der Kulturnacht zum ersten Mal gesehen hab, da habt ihr Going Away zweimal gespielt. Wie kam es dazu? Hatte die CD nen Hänger und deswegen den Song nicht richtig gespielt, und ihr dachtet euch „hmmm… klingt irgendwie auch ganz nice“?

Max: Also die Inspiration kam von ner anderen Band, Beach Towel. Und die haben das auch so gemacht.

Paul: Die hatten so ne Drum Machine, und haben dann so’n Loop laufen lassen auf 80bpm. Sie haben gesagt „jetzt kommt der gleiche Song nochmal, aber schneller“ und dann haben sie einfach das Tempo hochgezogen auf 140bpm.

Advan: Man muss aber auch sagen, den Song gabs schneller als erstes, und als zweites kam dann das langsamere dazu. 

Paul: Ja, der Langsame ist eigentlich aus dem Schnellen entstanden!

(Advan steht auf mit den Worten „dieser Kaugummi ist KACKE“)

Ihr habt ja vorhin gemeint, dass ihr unter anderem auch malt… (alle lachen) Okay, sagen wir besser, dass ihr euch auch anderweitig kreativ auslebt. Worin findet ihr in Zeiten wie diesen eure Inspiration?

Max: Es ist echt schwierig, Inspiration zu finden, wenn sich so wenig bewegt.

Leon: Man kann dann Inspiration aus anderen Sachen ziehen. Sich an etwas erinnern. Weil man ist ja viel zuhause und denkt viel nach. Man erinnert sich an was, das man vielleicht schon vergessen hatte, und schreibt dann darüber nen Song. Über etwas, an das man vielleicht nicht gedacht hätte, wenn alles so schnell wie im Alltag passiert.

Paul: Die Inspiration aus dem Leben fehlt natürlich irgendwie. Aber man kann die Zeit ja nutzen, um zum Beispiel Bücher zu lesen, und sich darüber inspirieren zu lassen. Aber ich muss sagen, ich find’s schwer. Irgendwie steht wirklich alles still, und am Anfang fand ich’s voll angenehm, weil es einfach so ein bisschen entschleunigend war – klar wegen nem Scheißgrund – aber trotzdem hat man gemerkt „okay, es geht auch anders, es kann auch langsamer funktionieren“. Aber so inzwischen ist es ECHT anstrengend.

Advan: Bei mir ist es tatsächlich umgedreht. Bei mir war’s am Anfang richtig schlimm, aber jetzt grade find ich’s okay. Es lockert sich ja langsam wieder ein bisschen, und es ist okay für mich jetzt grade… Kann ruhig IMMER so bleiben. Wir müssen nicht mehr live spielen. Live spielen ist EH scheiße. 

(alle lachen)

Max: Nein wirklich, ich find’s super schade, dass wir nicht live spielen können. Ich hab SO krass Bock drauf.

Von der anderen Seite aus ist es auch doof, muss ich sagen. Man hat sich zwar inzwischen damit abgefunden, aber kacke ist es trotzdem.

Paul: Ich find, man hat es auch noch nicht so wirklich realisiert, dass einfach der komplette Sommer mehr oder weniger im Arsch ist. Dass es KEIN Festival geben wird, im ganzen Sommer. Das ist total verrückt.

Schon! Was sind denn dann so eure Songs die ihr anhört, wenn ihr mal n Stück Gute Laune braucht?

Max: Ich find‘ die neuste Alvvays Platte ziemlich geil. Hör ich gerade rauf und runter wieder. Ist zwar eher so Herbst- oder Winter-Vibes, aber irgendwie passt das für mich.

Paul: Ich hab grad gestern nen Song entdeckt! Von Philip Brooks, der hat vor kurzem KRANK einen Song rausgehauen. I’m getting lonely heißt der. SO geil. Brutal, da find ich kriegt man gute Laune. Wobei der eigentlich eher melancholisch ist, aber ich erfreu mich halt an dem gut geschriebenen Song. (lacht)

Leon: Advan sag du mal was, mir fällt grad nichts ein.

Advan: Too Shy von the 1975… PUNKT! Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Max: Hast du nen Song gefunden, Leon?

Ich musste tatsächlich auch auf Spotify nachgucken.

Leon: Ja, das Ding ist… Ich weiß voll was du meinst, aber wir alle – du ja bestimmt auch – denken so man kennt sich mit Musik aus, man hört sehr viel Musik. Und dann finde ich sollte man das auch auf Anhieb wissen. Weißt du was ich meine? Das nervt mich manchmal voll.

Paul: Wenn die Frage gestellt wird, weiß man nie ne Antwort, ich kenn das.

Leon: Aber n Song, der macht mir Spaß weil ich ihn die ganze Zeit singe, Keep the light inside the house von Saint Jude, so ein Londoner Garage-DJ. Der Song macht BOCK.

Paul: Du erfreust dich an dem schön geschriebenen Song?

Leon: Genau, ich erfreu mich an der tollen Melancholie! 

Dann hab ich noch ein paar This-or-That Fragen für euch: Seid ihr eher Frühaufsteher oder Nachteulen?

Paul: Müssen wir als Band antworten? Das funktioniert nämlich nicht…

Leon und Paul: Frühaufsteher

Max und Advan: Nachteulen

Raus in die Natur? Oder lieber Netflix durchforsten?

Einstimmig: Team Natur!

Leon: Gestern hab ich mich für zwei Stunden einfach nur auf eine Wiese gelegt und geschlafen. War wirklich super schön. Es war sau angenehm, mal wirklich GAR NICHTS zu machen. Und nicht gar nichts zuhause, wo man das Handy hat, oder wo viel Unnötiges ist. Sondern einfach nur hinlegen und hören, was die Natur macht. Dann hab ich in nen Baum geguckt und er hat gefunkelt von der Sonne.

Deswegen bin ich grad auch so erleichtert, dass ich nicht in München bin, sondern bei meinen Eltern zuhause auf dem Land!

Paul: Hab ich jetzt aber schon öfter gehört, dass Leute aus der Großstadt fliehen! Fine, unsere Managerin, die ist auch bei den ersten Anzeichen straight aus Berlin geflüchtet und ist jetzt auch bei ihren Verwandten auf’m Dorf und pflegt Hühner.

Auch nice! Okay, eins noch: Top organisiert, oder nicht mehr den Durchblick haben, welcher Wochentag gerade ist?

Einstimmig: Letzteres! Aber das hat nichts mit Corona zu tun eigentlich. (alle lachen) Das ist bei uns grundsätzlich immer so, dass wir weniger organisiert sind.

Und wie immer gibt’s am Ende noch ein Blank Space, was wollt ihr denn unbedingt loswerden?

Also, wir würden gerne sagen „STAY TUNED, irgendwas kommt“, aber… (lachen) Wir freuen uns einfach, dass wir wieder zu viert wieder was machen können. Wir haben morgen die erste Probe seit Monaten! Man kann schon sagen, dass wir gerade neue Songs schreiben!

Paul: Und, als generelle Message, wenn man eh die ganze Zeit zuhause ist und in Selbstmitleid badet, dass man vielleicht auch mal darauf schaut, dass es anderen Menschen in dieser Situation noch viel schlechter geht. Weil die haben nämlich kein Netflix zuhause, oder die können nicht einfach zuhause bleiben. Das war uns auch bei unserem Cover von 505 schon relativ wichtig. Im Endeffekt belustigen wir die Leute, die es sich halt leisten können zuhause zu bleiben. Und es gibt Leute, die trifft es viel härter… Das ist jetzt auch wieder n Downer, wir brauchen irgendwas Positives!

(alle lachen)

Advan: Jaaaa, es wird alles besser!

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Veröffentlicht in Interviews Musik News